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„Man muss sich selbst fordern. Alles, was man selbst schafft, macht Mut.“

Hedwig Diers

geb. Tönnissen | 1934 – 1998

Wadersloh

Handwerk/Handarbeit
Landwirtschaft/Natur

Hedwig Diers

Mehr als 30 Jahre setzte sich Hedwig Diers ehrenamtlich für die Weiterentwicklung und die Zukunft des Landfrauenverbandes ein.
Geboren und aufgewachsen ist Hedwig Tönnissen auf dem elterlichen Hof in Wadersloh. Nach dem Studium arbeitete sie für kurze Zeit an der Landwirtschaftskammer in Münster, später dann als Lehrerin an der Berufsschule für Hauswirtschaft in Elsfleth (an der Weser). 1961 kehrte sie in die Heimat zurück und heiratete den Liesborner Landwirt Paul Diers. 1986 wurde sie zur Kreisvorsitzenden des Landfrauenverbandes Warendorf gewählt. Mit ihr rückten nun immer mehr sozial- und gesellschaftspolitische Themen bei den Veranstaltungen in den Vordergrund. So setzte sie sich u.a. für die Ausbildung der Landfrauen zu Familienpflegehelferinnen ein. Endlose Diskussionen auf Orts- und Kreisebene wurden im Verband zu dem neuen Gesetzentwurf zur eigenständigen sozialen Absicherung der Bäuerinnen geführt. Im Januar 1995 wurde dann die Agrarsozialreform wirksam. Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten pflegte Hedwig Diers sofort besondere Kontakte mit den Landfrauen in Brandenburg, und zwar in den Orten Wagenitz und Luckau. Mit großer ideeller und finanzieller Unterstützung aller Mitglieder gründete sie 1992 den ersten Landfrauenverband im Kreis Nauen.

Neben ihrem Einsatz im Verband machte sie sich als Gründerin des Liesborner Heimatvereins für Brauchtumspflege und für traditionelle Handarbeiten als besondere Volkskunst stark. Die vier Handarbeitsbücher, die sie selbst herausgab, und mehrere Ausstellungen zeigen die Schönheit und Vielfalt alter und neuer Stickereien. Für ihre Verdienste wurde sie 1991 zum Ehrenmitglied des Heimatvereins in Liesborn ernannt. Ihr textiler Nachlass wird im Museum Abteil Liesborn verwahrt.

Auf Vorschlag der Landwirtschaftskammer wurde Hedwig Diers über gerichtliche Verfahren in Landwirtschaftssachen seit 1985 als ehrenamtliche Richterin beim Amtsgericht Beckum und von 1989 bis 1993 beim Landgericht Münster berufen.
In Anerkennung ihres ehrenamtlichen Einsatzes wurde ihr 1994 die Schorlemer Plakette des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes verliehen. Gleichzeitig wurde sie zur Ehrenvorsitzenden des Kreislandfrauenverbandes ernannt.


Hedwig Haarmann

„Moder, de Moder Goddes makt mie de Ogen oppen, wat döet mie dat sachte!“1

Maria Christina Deppen

geb. Wiggelinghoff | * 1754

Beelen/Telgte

Kloster/Kirche/Religion

Telgter Gnadenbild mit Krücken
© Bildarchiv Museum Heimathaus Münsterland/Krippenmuseum, Telgte

Vielleicht war es ein schöner Sommertag, jener 6. Juli 1754, als sich Maria Christina Deppen mit ihrer kleinen Tochter Maria Anna und ihrer 16jährigen Stieftochter frühmorgens von Beelen aufmachte. Ihre Jüngste, die vierjährige Maria Anna, hatte Aussatz im Gesicht, und ihre Augen waren so verkrustet, dass sie blind war. Maria Deppen wollte in Telgte vor dem Gnadenbild der segensreichen „Himmelskönigin“ Maria niederknien und um die Gesundung ihrer Tochter bitten. Kein Arzt hatte zuvor der kleinen Maria helfen können. Frau Deppen war nicht die einzige, die auf ein Wunder hoffte. Sie war eine der Pilgerinnen, die die Marienwallfahrt jener Zeit „zum größten und spektakulärsten religiösen (und weltlichen) Massenereignis in der Geschichte des Fürstbistums“ *2 werden ließen, vor allem aber zu einer wirkungsvollen Demonstration erfolgreicher Konfessionalisierung und absolutistischer Macht. Insgesamt waren bei dieser aufwändigen Inszenierung, die vom 3. (Maria Heimsuchung) bis zum 18. Juli 1754 dauerte, 56 Wallfahrtsprozessionen aus allen Regionen des Bistums unterwegs nach Telgte. Äußerer Anlass war das Jubiläum der Grundsteinlegung der Kapelle, die 1654 für das Gnadenbild gebaut worden war.

Schließlich erreichte Maria Deppen, zwischen den vielen Menschen und Zelten an der 22 Fuß hohen Ehrenpyramide auf dem Marktplatz vorbei, die Schlaun im Auftrag des Fürstbischofs Clemens August entworfen hatte, die Kirche, „allwo die Mutter kaum angelanget ware, da eilete sie mit starken Schritten, damit sie nur geschwind genug Mariä der Gnaden-Mutter ihre Noth klagen. Doch die Kirche war so überfüllt, dass sie mit ihren Kindern zur Kapelle ging, um von der weltberühmten Trösterin der Betrübten in ihrem Unglück Hülff zu suchen“. Und wie sie im Gebet versunken war, so berichtet die Legende, öffnete die kleine Maria ihre Augen und konnte wieder sehen. Der Aussatz verschwand. Dass keine Narben zurückblieben, wurde zusätzlich als Beweis für ein Wunder angesehen. Chirurgen, die das Kind kurz vor und nach der Heilung gesehen hatten, bezeugten es, woraufhin am 29. Juli des Jahres eine Dankfeier vor dem geschmückten Bildnis auf dem Hochaltar der Kirche stattfand. Schließlich wurde das Verfahren der Deppenschen Wunderheilung einige Monate später vor einer vom Generalvikar von Fürstenberg in Münster einberufenen Untersuchungskommission noch einmal aufgerollt, um wirklich sicherzugehen, dass es sich hier um ein Wunder handelte. Schließlich konnten alle Bedenken bezüglich der Krankheit, aber auch des frommen Verhaltens der Maria Christina Deppen ausgeräumt und die Heilung der kleine Maria Anna als Wunder anerkannt werden.


Christa Paschert-Engelke

1 Nitschen, C.P. Beschreibung des funfzehntätigen Grossen Jubel-Festes, Münster 1754.
2 Freitag, Werner, Volks- und Elitenfrömmigkeit in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1991, S. 151

„…dar unse convent eern vortganck by kreech“1

Eva Dedinchem

Amtszeit 1459 – 1491

Beckum

Handwerk/Handarbeit
Kloster/Kirche/Religion

Fingerhut, bei Ausgrabungen gefunden, vermutlich älter als Eva Dedinchem

Es stand schlecht um die neue Frauengemeinschaft der 1446 gegründeten Kongregation der „Schwestern vom gemeinsamen Leben“ im „Süsternhus Blumental“, als Eva Dedinchem von Vreden aus dem Schwesternhaus Marienbrink zu Borken 1459 nach Beckum kam. Es war schon das zweite Domizil, das die Beckumer Schwestern bewohnten. Die münstersche Stiftsfehde mit ihren kriegerischen Unruhen hatte die Schwestern 1451 veranlasst, das „süsternhus ton Marienborn“ außerhalb der Stadtmauern zu verlassen und ein Haus nahe der Südpforte in der befestigten Stadt zu erwerben. Es herrschten Not und Hunger, als Eva Dedinchem als Vorsteherin den Konvent übernahm.

Mehr als 20 Süsternhäuser waren seit 1450 in Westfalen entstanden, die der Botschaft der  aus den Niederlanden kommenden neuen Frömmigkeitsbewegung, der devotio moderna folgten2. Programm war die Rückbesinnung auf die Bibel, die innere Hingabe an Gott, aber ohne Ordensregel in freier, autonomer Gemeinschaft als dritter Weg zwischen Kloster und Welt. Die Aufnahmekriterien waren – anders als bei den traditionellen Orden und Stiften, wo Stammbaum und Mitgift entschieden – bescheidener: In die Süsternhäuser konnten alle unverheirateten freien Frauen eintreten, sofern sie bereit waren, auf persönliches Eigentum zu verzichten und einen Teil des Lebensunterhaltes selbst zu erwirtschaften, z. B. durch einfache textile Handarbeiten. Eva Dedinchem hatte offensichtlich wirtschaftliches Geschick und Führungskompetenz; unter ihrer strengen Aufsicht wurde bis Mitternacht gearbeitet, um die Schulden abzubauen: „so dat ze des avendes somtyd zeten und arbeydeden hent to der mydder nacht spynnende unde wevende“.
In den nächsten Jahren erweiterte sie das Süsternhaus durch Ankauf um Gebäude, Gärten und Ländereien; Stiftungen und Schenkungen kamen hinzu. Vier Jahre nach ihrem Amtsantritt konnte bereits eine eigene Kapelle eingeweiht werden. Doch ebenso wenig wie ihren Amtskolleginnen in den anderen Schwesternhäusern im Bistum Münster gelang es ihr, die ursprünglich ungebundene Gemeinschaft ohne Ordensregel und Klausur zu erhalten. Schließlich mussten die Beckumerinnen 1464 die Augustinerregel annehmen und begaben sich damit in ein streng kontrolliertes, klösterlich bestimmtes Leben.

Wie groß der Konvent damals war, kann nicht mehr genau bestimmt werden. Immerhin konnten 1467 vier Schwestern das Haus in Beckum verlassen, um ein weiteres Schwesternhaus in Ahlen, Maria Rosa, aufzubauen. Eva Dedinchem starb nach 32 Jahren erfolgreicher Leitung am 20. Dezember 1491. In Erinnerung an Eva Dedinchem und aus Dankbarkeit für ihre hilfreiche Unterstützung feierte man im Schwesternhaus in Ahlen ihre Memorie stets am 18. Dezember.
1812 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung endgültig aufgelöst.


Christa Paschert-Engelke

1 Chronik des Klosters Blumental, StAM Msc. I, 91 f.2-4 zitiert nach: Kohl, Wilhelm, Germania Sacra, Das Bistum Münster, Berlin 1968, S. 231
Eva Dedinchem war die erste Mutter, die für den Fortbestand des Konvents sorgte.
2 Siehe dazu Paschert-Engelke, Christa, Die religiösen Frauengemeinschaften im Überblick, In: Bistum Münster – Referat Frauenseelsorge (Hg.), „welchen Einfluß das im Christenthume veredelte Weib ausübe – 1200 Jahre Frauen im Bistum Münster, Münster 2005, S. 53 – 65

Dormitorium
Kloster Blumental

„Das politische Amt, die aktive politische Mitarbeit der Frau als praktische Selbstverständlichkeit, hängt nicht nur von der Großzügigkeit der Männer allein ab, sondern wird in hohem Maße von uns selbst bestimmt.“1

Aenne Brauksiepe

geb. Engels | 1912 – 1997

Oelde

Politik/Verwaltung

Aenne Brauksiepe

Foto: © www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Ministerium/Geschichte

Als Aenne Brauksiepe 1949 in den Bundestag gewählt wurde, gehörte die 37jährige CDU-Politikerin zu den jüngsten der nur 38 Frauen umfassenden Gruppe weiblicher Abgeordneter des ersten Nachkriegsparlaments.
Aenne Engels wuchs in einem Arbeitervorort von Duisburg auf. Nach ihrem Abitur am Oberlyzeum „Unserer Lieben Frau“ in Duisburg arbeitete sie zunächst in der Behindertenfürsorge mit Kindern. Da sie vor allem wegen des Engagements ihrer Mutter in der Zentrumspartei im nationalsozialistischen Deutschland nicht studieren konnte, entschied sie sich 1934 nach Schottland, später in die Niederlande zu gehen, wo sie den Journalisten Dr. Werner Brauksiepe heiratete. Zwischen 1946 und 1948 gehörte Brauksiepe, mittlerweile  Mitglied der neu gegründeten CDU und Mutter eines Sohnes, als einzige Frau dem Duisburger Stadtparlament an. 1949 kandidierte sie für den Bundestag, dem sie 23 Jahre angehören sollte. Als  ihr Mann 1954 eine Stelle als stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung „Die Glocke“ antrat, wurde sie als Pendlerin zwischen Oelde und Bonn zum „leibhaften Bindestrich zwischen Nordrhein und Westfalen“.

Ihr besonderes Interesse  galt neben ihrem breiten sozialpolitischen Engagement der Mitwirkung von Frauen am politischen Aufbau Deutschlands. Bereits seit Jugendjahren Mitglied im Katholischen Deutschen Frauenbund, gehörte sie seit 1952 dessen Präsidium an. Gleichzeitig war sie Mitbegründerin der Frauenunion, der sie zwischen 1958 und 1971 vorstand, und in der sie sich für die berufliche und politische Gleichstellung von Frauen einsetzte. Bereits 1953 wurde sie aufgrund ihres Engagements in den Wahlausschuss ihrer Bundespartei für Frauenfragen berufen, 1956 in den Bundesvorstand gewählt, von 1964 bis 1969 war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und zwischen 1966 und 1969 erstes weibliches Mitglied des Präsidiums ihrer Partei. 1968 übernahm Brauksiepe schließlich als erste Frau das Bundesministerium für Familien und Jugend, in dem sie sich tatkräftig für das Recht der Ehefrau „auf personale und berufliche Entfaltung“ einsetzte.

Für ihre Verdienste, z.B. als Mitbegründerin der Europäischen Frauen-Union und des Familienbundes deutscher Katholiken, wurde sie u.a. mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern sowie dem Päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et pontifice“ der Paulus-Plakette des Bistums Münster ausgezeichnet.


Julia Paulus

1 Zit. nach: Geschichte der Frauen Union der CDU/Chronik der Frauen-Union (S. 3: www.frauenunion.de/content/blogcategory/21/68

„Und Schwester Julie muss man näher gekannt haben, um ihr gerecht zu werden.“1

Juliane – genannt Julie – Borges

1846 – 1929

Warendorf

(Aus-)Bildung/Wissenschaft
Kloster/Kirche/Religion
Literatur/Dichtung

Schwester Julie Borges in der typischen Diakonissentracht und mit der weißen Haube
Foto: © Fliedner-Kulturstiftung Kaiserswerth

Zu den schreibenden Frauen des 19. Jahrhunderts aus Westfalen gehört auch die kaum bekannte Julie Borges. Sie wurde am 3. April 1846 in Warendorf als drittes Kind eines Ober-Postsekretärs geboren. Kränklichkeit einerseits und lebhaftes musisches Interesse andererseits bestimmten ihre Jugend. 1864 legte  sie ein Lehrerinnenexamen ab, verbrachte anschließend sechs Jahre in England, kehrte als Übersetzerin englischer Literatur und eigenschöpferisch tätige Schriftstellerin nach Münster zurück und wurde 1873 Diakonisse in Kaiserswerth.

Die Mitteilungen der Diakonissenanstalt zu Kaiserswerth von 1930 enthalten einen bisher nicht wahrgenommenen biographischen Abriss und weitere Nachrichten aus ihrem Leben.2 Danach hatte Julie Borges  auf Vermittlung ihrer Schwägerin, die Engländerin war, eine Stelle als Privatlehrerin im Hause eines englischen Zeitungsverlegers in Cambridge antreten können, an dessen weltweiten Kontakten die begabte junge Hauslehrerin lebhaften Anteil nahm und von denen sie geprägt wurde.

Als ein Ergebnis dieser geistigen Schulung kann man die Übersetzung des dreibändigen Romans „Tricotrin oder seltsame Schicksale. Roman von Ouida“ sehen, die 1871 in Berlin erschien. Es handelt sich dabei um das seinerzeit oft gelesene, unter einem Pseudonym erschienene Werk „Tricotrin. The story of a Waif and Stray by Ouida (d.i. Marie Louise de la Ramée). Eigene Erzählungen und Novellen veröffentlichte Julie Borges mit beträchtlicher Breitenwirkung im Westfälischen Merkur, im Paderborner Volksblatt sowie in der Osnabrücker und später in der Düsseldorfer Volkszeitung.

In Kaiserswerth wurde sie alsbald Lehrerin für Englisch und Musik an dem mit dem Mutterhaus verbundenen Lehrerinnenseminar. Neben einem besonderen Erzähltalent und ihrer Sprachkompetenz rühmten ihre Schülerinnen ihre große Belesenheit, durch die sie ihnen die bedeutenden Dichter von Shakespeare bis zur damaligen Moderne nahebrachte.

Zeitlebens war Julie Borges eine begnadete Briefschreiberin. So pflegte sie mit Christoph Bernhard Schlüter, dem großen Förderer literarischer Talente in Westfalen, zwischen 1876 und 1882 einen gedankenreichen Briefkontakt.3 Ihre geistige Ausstrahlungskraft wird schließlich durch eine  wenig zugängliche Quelle des Wesley Institutes in Ilkley, Yorkshire, aus dem Jahre 1904 bestätigt. Sie enthält auch ihren englischsprachigen Brief über ein Treffen mit der über 80jährigen Florence Nightingale in London, die in Kaiserswerth ihre erste Ausbildung als Krankenschwester erhalten hatte.4

Hoch verehrt verstarb sie am 26. November 1929 im Haus Tabea in Kaiserswerth und wurde, von zahlreichen ehemaligen Schülerinnen begleitet,  am 1. Advent beerdigt.


Klaus Gruhn

1 Aus den Erinnerungen ihrer ehemaligen Schülerin und späteren Mitarbeiterin Schwester Emma Deutschbein, In: Anon., Sendschreiben an unsere Lehrerinnen über ihr Amt und ihre Arbeit von der Diakonissen-Anstalt zu Kaiserswerth a. Rh., Nr. 153, (Düsseldorf) 1930, S. 973
2 Ebenda, S. 969 – 979
3 Universitäts- und Landesbibliothek Münster, hs. Nachlass C. B. Schlüter, Briefe J. Borges an Chr. B. Schlüter
4 Anon., Flying Leaves from the Wesley Deaconess Institute, Ilkley Yorkshire, June 1904, p. 87f

„Doch ich arbeite nicht gegen meine Überzeugung. Dann lehne ich ab.
Keinesfalls mache ich dem modernen Zeitgeschmack ein Zugeständnis.“1

Anita Blum-Paulmichl

1911 – 1981

Ahlen

Handwerk/Handarbeit
Kunst/Architektur

Anita Blum-Paulmichl
Foto: privat

In der Liste bekanntester Medailleure finden sich wenige weibliche Vornamen. Anita gehört dazu – Anita Blum.

Nach den Anfängen in der Kölner Werkschule führt der Weg der gebürtigen Düsseldorferin nach Berlin. Bildhauerarbeiten, bäuerliche Frauenfiguren aus Holz wie „Die Madonna mit der Distelblüte“ bringen ihr erste internationale Auszeichnungen ein (Silberne Medaille in Florenz). 1935 setzt sie ihre Studien an der Hochschule für bildende Künste in Berlin fort. Weitere Erfolge und Anerkennungen folgen, auch Erschöpfung, Zweifel, existenzielle Sorgen – jene Kehrseite, die sie bei ihren Medaillen später oft auslassen wird. 1940 endlich findet sie ihren künstlerischen Platz, besucht die Klasse für Medaillenkunst. Hier kann sie Bildhauerei, Grafik und ihre Vorliebe für das Erzählen von Geschichten verbinden. Auf kleinstem Raum, auf der Fläche einer Medaille, entwirft sie historische Ereignisse, Sturmfluten, Stadtbrände, auch Jahrmärkte.

1945 verschlagen die Nachkriegswirren die Familie nach Ahlen. Auch ihre ebenso künstlerisch begabte Zwillingsschwester Herma kommt mit. Die beiden Frauen richten ihre Ateliers ein: Herma, die Webmeisterin und Textilkünstlerin, an der Weststraße bei Paula Münstermann, Anita, die seit 1942 mit dem Bildhauer Robert Paulmichl verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat, später im Wohnhaus schräg gegenüber. Der künstlerische Durchbruch erfolgt 1946 mit einem Portrait des Kardinals von Galen. Von nun an wird Anita Blum-Paulmichl „in die Reihe der wesentlichen deutschen Medailleure des 20. Jahrhunderts“ eingegliedert2. 1953, als ihr zweiter Sohn Constantin geboren wird, erhält sie die Bronzene Medaille in Madrid. Der Direktor des Landesmuseums in Münster, Peter Berghaus, wird ihr Freund und Förderer. Baudenkmäler, Rathäuser, Kirchen, Brücken, Städtebilder gehören zum Bildprogramm ihrer Architekturmedaillen; auch Regionales, Brauchtum und Privates, religiöse Motive und Anlassmedaillen finden sich im Werkregister, zumeist in Bronze, einseitig gestaltet. Ihre öffentlichen Auftraggeber sind so zahlreich wie ihre Beteiligung an Ausstellungen. Ein Blick in die Kataloge zeigt ihre große Schaffenskraft; die 60er und 70er Jahre sind ihre produktivsten.

Anita Blum-Paulmichl überzeugt immer wieder durch die besondere „Ausgewogenheit von Bild und Schrift und die Rücksicht auf das Spannungsfeld des Medaillenrundes“3. Ihre Werke finden sich in zahlreichen deutschen und internationalen Museen, so in Berlin, Den Haag, London, München, Münster, New York, Oslo, Kopenhagen, Paris, Petersburg, Stockholm  und Wien.


Christa Paschert-Engelke

1 Ingrid S. Weber, Anita Blum-Paulmichl, In: Geldgeschichtliche Nachrichten 1996 (31.Jahrgang), Frankfurt, S. 233
2 Ebenda,  S. 231
3 Peter Berghaus, Einführung, In: Anita Blum-Paulmichl, Ausstellungskatalog, Ahlen 1981

26.03.2018

Hidden Figures – das sind drei brillante afroamerikanische Mathematikerinnen, die am Mercury- und am Apollo-Programm der NASA maßgeblich beteiligt waren. Sie sind die unbekannten Heldinnen, während die meisten von uns die Namen von Astronauten kennen. Hier geht es also nicht um weiße Männer, sondern um schwarze Frauen. Diese flotte und humorvolle Filmbiographie nach dem gleichnamigen Sachbuch von Margot Lee Shetterly erzählt eine wahre Geschichte aus den 60er Jahren, deren Brisanz heute noch von Bedeutung ist. Denn eine amerikanische Filmproduktion, in der im wesentlichen Frauen, und dann auch noch schwarze Frauen im Mittelpunkt stehen, ist nicht nur in Hollywood auch heute noch ungewöhnlich.

Beginn: 19.30 Uhr | Eintritt: 6 €
Kartenreservierung www.cinemahlen.de


Rückblick

2017 | Die göttliche Ordnung | Jahrhundertfrauen | Paula – Mein Leben soll ein Fest sein

2015 | Die Wolken von Sils Maria

2014 | Jackie | Violette | Das Mädchen Wadja

2013 | Paulette | Die Herzogin | Sturmhöhe | Hannah Arendt

2012 | Lourdes | Die eiserne Lady | Jane Eyre

2011 | Caramel | We want sex

2010 | Der Beginn einer Leidenschaft… | Ein russischer Sommer | Frida | Miss Potter


Jetzt neu!

Kultur(o)ur-Broschüre | 2. Auflage
„WortOrte in Ahlen – eine LiteRadTour durch Ahlen“
Herausgegeben von kulturelle e.V. in Kooperation mit der Initiative WortOrte | 28 Seiten farbig, ausklappbare Karte mit Routenführung | Schutzgebühr 1 € zzgl. Versandkosten
Broschüre als PDF


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Eine Gedenktafel zwischen dem Kunstmuseum und Rupperts Mühle erinnert an die in Ahlen geborene Dichterin Katharina Busch verheiratete Schücking, deren Elternhaus vermutlich in der Nähe der Alten Kirche St. Bartholomäus Richtung Westtor stand. Eine weitere Gedenktafel im Stadtpark direkt an der Werse erinnert an die Dichterin Elisabeth Gallenkemper.
www.wortorte.de


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