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„Doch ich arbeite nicht gegen meine Überzeugung. Dann lehne ich ab.
Keinesfalls mache ich dem modernen Zeitgeschmack ein Zugeständnis.“1

Anita Blum-Paulmichl

1911 – 1981

Ahlen

Handwerk/Handarbeit
Kunst/Architektur

Anita Blum-Paulmichl
Foto: privat

In der Liste bekanntester Medailleure finden sich wenige weibliche Vornamen. Anita gehört dazu – Anita Blum.

Nach den Anfängen in der Kölner Werkschule führt der Weg der gebürtigen Düsseldorferin nach Berlin. Bildhauerarbeiten, bäuerliche Frauenfiguren aus Holz wie „Die Madonna mit der Distelblüte“ bringen ihr erste internationale Auszeichnungen ein (Silberne Medaille in Florenz). 1935 setzt sie ihre Studien an der Hochschule für bildende Künste in Berlin fort. Weitere Erfolge und Anerkennungen folgen, auch Erschöpfung, Zweifel, existenzielle Sorgen – jene Kehrseite, die sie bei ihren Medaillen später oft auslassen wird. 1940 endlich findet sie ihren künstlerischen Platz, besucht die Klasse für Medaillenkunst. Hier kann sie Bildhauerei, Grafik und ihre Vorliebe für das Erzählen von Geschichten verbinden. Auf kleinstem Raum, auf der Fläche einer Medaille, entwirft sie historische Ereignisse, Sturmfluten, Stadtbrände, auch Jahrmärkte.

1945 verschlagen die Nachkriegswirren die Familie nach Ahlen. Auch ihre ebenso künstlerisch begabte Zwillingsschwester Herma kommt mit. Die beiden Frauen richten ihre Ateliers ein: Herma, die Webmeisterin und Textilkünstlerin, an der Weststraße bei Paula Münstermann, Anita, die seit 1942 mit dem Bildhauer Robert Paulmichl verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat, später im Wohnhaus schräg gegenüber. Der künstlerische Durchbruch erfolgt 1946 mit einem Portrait des Kardinals von Galen. Von nun an wird Anita Blum-Paulmichl „in die Reihe der wesentlichen deutschen Medailleure des 20. Jahrhunderts“ eingegliedert2. 1953, als ihr zweiter Sohn Constantin geboren wird, erhält sie die Bronzene Medaille in Madrid. Der Direktor des Landesmuseums in Münster, Peter Berghaus, wird ihr Freund und Förderer. Baudenkmäler, Rathäuser, Kirchen, Brücken, Städtebilder gehören zum Bildprogramm ihrer Architekturmedaillen; auch Regionales, Brauchtum und Privates, religiöse Motive und Anlassmedaillen finden sich im Werkregister, zumeist in Bronze, einseitig gestaltet. Ihre öffentlichen Auftraggeber sind so zahlreich wie ihre Beteiligung an Ausstellungen. Ein Blick in die Kataloge zeigt ihre große Schaffenskraft; die 60er und 70er Jahre sind ihre produktivsten.

Anita Blum-Paulmichl überzeugt immer wieder durch die besondere „Ausgewogenheit von Bild und Schrift und die Rücksicht auf das Spannungsfeld des Medaillenrundes“3. Ihre Werke finden sich in zahlreichen deutschen und internationalen Museen, so in Berlin, Den Haag, London, München, Münster, New York, Oslo, Kopenhagen, Paris, Petersburg, Stockholm  und Wien.


Christa Paschert-Engelke

1 Ingrid S. Weber, Anita Blum-Paulmichl, In: Geldgeschichtliche Nachrichten 1996 (31.Jahrgang), Frankfurt, S. 233
2 Ebenda,  S. 231
3 Peter Berghaus, Einführung, In: Anita Blum-Paulmichl, Ausstellungskatalog, Ahlen 1981