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„Moder, de Moder Goddes makt mie de Ogen oppen, wat döet mie dat sachte!“1

Maria Christina Deppen

geb. Wiggelinghoff | * 1754

Beelen/Telgte

Kloster/Kirche/Religion

Telgter Gnadenbild mit Krücken
© Bildarchiv Museum Heimathaus Münsterland/Krippenmuseum, Telgte

Vielleicht war es ein schöner Sommertag, jener 6. Juli 1754, als sich Maria Christina Deppen mit ihrer kleinen Tochter Maria Anna und ihrer 16jährigen Stieftochter frühmorgens von Beelen aufmachte. Ihre Jüngste, die vierjährige Maria Anna, hatte Aussatz im Gesicht, und ihre Augen waren so verkrustet, dass sie blind war. Maria Deppen wollte in Telgte vor dem Gnadenbild der segensreichen „Himmelskönigin“ Maria niederknien und um die Gesundung ihrer Tochter bitten. Kein Arzt hatte zuvor der kleinen Maria helfen können. Frau Deppen war nicht die einzige, die auf ein Wunder hoffte. Sie war eine der Pilgerinnen, die die Marienwallfahrt jener Zeit „zum größten und spektakulärsten religiösen (und weltlichen) Massenereignis in der Geschichte des Fürstbistums“ *2 werden ließen, vor allem aber zu einer wirkungsvollen Demonstration erfolgreicher Konfessionalisierung und absolutistischer Macht. Insgesamt waren bei dieser aufwändigen Inszenierung, die vom 3. (Maria Heimsuchung) bis zum 18. Juli 1754 dauerte, 56 Wallfahrtsprozessionen aus allen Regionen des Bistums unterwegs nach Telgte. Äußerer Anlass war das Jubiläum der Grundsteinlegung der Kapelle, die 1654 für das Gnadenbild gebaut worden war.

Schließlich erreichte Maria Deppen, zwischen den vielen Menschen und Zelten an der 22 Fuß hohen Ehrenpyramide auf dem Marktplatz vorbei, die Schlaun im Auftrag des Fürstbischofs Clemens August entworfen hatte, die Kirche, „allwo die Mutter kaum angelanget ware, da eilete sie mit starken Schritten, damit sie nur geschwind genug Mariä der Gnaden-Mutter ihre Noth klagen. Doch die Kirche war so überfüllt, dass sie mit ihren Kindern zur Kapelle ging, um von der weltberühmten Trösterin der Betrübten in ihrem Unglück Hülff zu suchen“. Und wie sie im Gebet versunken war, so berichtet die Legende, öffnete die kleine Maria ihre Augen und konnte wieder sehen. Der Aussatz verschwand. Dass keine Narben zurückblieben, wurde zusätzlich als Beweis für ein Wunder angesehen. Chirurgen, die das Kind kurz vor und nach der Heilung gesehen hatten, bezeugten es, woraufhin am 29. Juli des Jahres eine Dankfeier vor dem geschmückten Bildnis auf dem Hochaltar der Kirche stattfand. Schließlich wurde das Verfahren der Deppenschen Wunderheilung einige Monate später vor einer vom Generalvikar von Fürstenberg in Münster einberufenen Untersuchungskommission noch einmal aufgerollt, um wirklich sicherzugehen, dass es sich hier um ein Wunder handelte. Schließlich konnten alle Bedenken bezüglich der Krankheit, aber auch des frommen Verhaltens der Maria Christina Deppen ausgeräumt und die Heilung der kleine Maria Anna als Wunder anerkannt werden.


Christa Paschert-Engelke

1 Nitschen, C.P. Beschreibung des funfzehntätigen Grossen Jubel-Festes, Münster 1754.
2 Freitag, Werner, Volks- und Elitenfrömmigkeit in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1991, S. 151