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„Gott führte mein Leben durch Ereignisse und Umstände. Ich hatte keine Ahnung von dem Ende, zu dem er mich führte“1

Paula Mönnigmann gen. Schwester Petra Dinadasi

1924 – 1976

Oelde

Kloster/Kirche/Religion
Migration
Medizin/Pflege

Schwester Petra Dinadasi

So beschrieb Schwester Petra später ihren Weg zur Ordensgründung in Indien.
Zunächst wuchs sie in einem katholischen und toleranten Elternhaus mit jüdischen und evangelischen Freunden in Oelde auf. Paula galt als intelligent, witzig und fröhlich. Nach dem Abitur studierte sie in Münster und Breslau Biologie, Latein und Religion. Christliche Werte, vor allem die Nächstenliebe, prägten mehr und mehr ihr Denken. Familie und Freunde waren überrascht, als sie 1946 als Schwester Petra in den Schulorden der Werler Ursulinen eintrat und in deren Gymnasien in Werl und Neheim-Hüsten unterrichtete. Doch angesichts des wachsenden Wohlstands in Deutschland fand Schwester Petra es immer mehr vermessen, „mich hier so komfortabel eingerichtet zu sehen“2. Sie hatte auch das beklemmende Gefühl, als Ursuline nicht ihrer wirklichen Berufung gefolgt zu sein und erreichte eine Freistellung für drei Jahre, um als Entwicklungshelferin nach Afrika oder Asien zu gehen.

Durch Vermittlung eines deutschen Arztes kam sie zu einem Caritas-Institut in Südkerala/Indien und unterrichtete dort Novizinnen in Religion, Englisch und praktischen Fertigkeiten, und sie half im dortigen Hospital. Die Armut der Menschen in den abgelegenen Dörfern blieb ihr nicht verborgen. Sie begann, Hilfsprogramme und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu entwickeln. Mit wachsender Unruhe erkannte sie, dass sie hier hauptsächlich für den Mittelstand arbeitete. Sie war noch nicht am Ziel. Durch glückliche Umstände kam es zu einer Begegnung mit Bischof Patroni und Pater Zucol aus der Diözese Calicut, die dringend Schwestern für umfangreiche Hilfsprogramme suchten. Die Aufgaben und die äußeren Gegebenheiten sagten Schwester Petra zu. Sie kämpfte um mehr Zeit, aber eine weitere Freistellung wurde abgelehnt, ebenso der Vorschlag der Gründung einer Niederlassung der Ursulinen, so dass sie sich entschloss, eine eigene Gemeinschaft zu gründen. Im Einvernehmen verließ sie ihren Orden. Der 1. Juni 1969 gilt als Gründungstag der DINASEVANASABHA – Dienerinnen der Armen. Auf einem Hügel, dem Snehaniketan – Platz der Liebe -, nahe dem Fischerdorf Pattuvam begann Schwester Petra mit acht jungen Mädchen unter schwersten Bedingungen ihre Arbeit mit dem Ziel, den Menschen zu zeigen, wie man sich selbst helfen kann. Sie war sich sicher: „Hierhin hat mein Gewissen mich geführt, hier werde ich bleiben“3. Am 5. Juni 1976 verstarben Schwester Petra und vier weitere Schwestern bei einem Verkehrsunfall.

Die Liebe und Hilfe dieser mutigen charismatischen Frau hat in den jetzt nahezu 40 Jahren Tausende von Leprösen, AIDS-Opfern, geistig und körperlich Behinderten, Alten, Waisen, Ausgestoßenen und Chancenlosen erreicht. 2003 wurde DINASEVANASABHA vom Vatikan als Orden päpstlichen Rechts anerkannt und ist heute mit über 80 Niederlassungen, zwei davon in Dortmund und Oelde, und rund 630 Schwestern in nahezu ganz Indien vertreten.


Theresa Hanses

1 www.hilfswerk-schwesterpetra.de und Maaß, Winfried, Warum tut ihr das – Geschichte des Ordens, Oelde 1994
2 zitiert aus ihren Briefen, In: Mönnigmann, Josefa u. Osssing, Hans (Hg.), Dienerin der Armen. Schwester Petras Weg in Indien bis zur Ordensgründung (Ihre Briefe), Oelde 1977.
3 ebenda