Es stand schlecht um die neue Frauengemeinschaft der 1446 gegründeten Kongregation der „Schwestern vom gemeinsamen Leben“ im „Süsternhus Blumental“, als Eva Dedinchem von Vreden aus dem Schwesternhaus Marienbrink zu Borken 1459 nach Beckum kam. Es war schon das zweite Domizil, das die Beckumer Schwestern bewohnten. Die münstersche Stiftsfehde mit ihren kriegerischen Unruhen hatte die Schwestern 1451 veranlasst, das „süsternhus ton Marienborn“ außerhalb der Stadtmauern zu verlassen und ein Haus nahe der Südpforte in der befestigten Stadt zu erwerben. Es herrschten Not und Hunger, als Eva Dedinchem als Vorsteherin den Konvent übernahm.
Mehr als 20 Süsternhäuser waren seit 1450 in Westfalen entstanden, die der Botschaft der aus den Niederlanden kommenden neuen Frömmigkeitsbewegung, der devotio moderna folgten2. Programm war die Rückbesinnung auf die Bibel, die innere Hingabe an Gott, aber ohne Ordensregel in freier, autonomer Gemeinschaft als dritter Weg zwischen Kloster und Welt. Die Aufnahmekriterien waren – anders als bei den traditionellen Orden und Stiften, wo Stammbaum und Mitgift entschieden – bescheidener: In die Süsternhäuser konnten alle unverheirateten freien Frauen eintreten, sofern sie bereit waren, auf persönliches Eigentum zu verzichten und einen Teil des Lebensunterhaltes selbst zu erwirtschaften, z. B. durch einfache textile Handarbeiten. Eva Dedinchem hatte offensichtlich wirtschaftliches Geschick und Führungskompetenz; unter ihrer strengen Aufsicht wurde bis Mitternacht gearbeitet, um die Schulden abzubauen: „so dat ze des avendes somtyd zeten und arbeydeden hent to der mydder nacht spynnende unde wevende“.
In den nächsten Jahren erweiterte sie das Süsternhaus durch Ankauf um Gebäude, Gärten und Ländereien; Stiftungen und Schenkungen kamen hinzu. Vier Jahre nach ihrem Amtsantritt konnte bereits eine eigene Kapelle eingeweiht werden. Doch ebenso wenig wie ihren Amtskolleginnen in den anderen Schwesternhäusern im Bistum Münster gelang es ihr, die ursprünglich ungebundene Gemeinschaft ohne Ordensregel und Klausur zu erhalten. Schließlich mussten die Beckumerinnen 1464 die Augustinerregel annehmen und begaben sich damit in ein streng kontrolliertes, klösterlich bestimmtes Leben.
Wie groß der Konvent damals war, kann nicht mehr genau bestimmt werden. Immerhin konnten 1467 vier Schwestern das Haus in Beckum verlassen, um ein weiteres Schwesternhaus in Ahlen, Maria Rosa, aufzubauen. Eva Dedinchem starb nach 32 Jahren erfolgreicher Leitung am 20. Dezember 1491. In Erinnerung an Eva Dedinchem und aus Dankbarkeit für ihre hilfreiche Unterstützung feierte man im Schwesternhaus in Ahlen ihre Memorie stets am 18. Dezember.
1812 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung endgültig aufgelöst.
Als Aenne Brauksiepe 1949 in den Bundestag gewählt wurde, gehörte die 37jährige CDU-Politikerin zu den jüngsten der nur 38 Frauen umfassenden Gruppe weiblicher Abgeordneter des ersten Nachkriegsparlaments.
Aenne Engels wuchs in einem Arbeitervorort von Duisburg auf. Nach ihrem Abitur am Oberlyzeum „Unserer Lieben Frau“ in Duisburg arbeitete sie zunächst in der Behindertenfürsorge mit Kindern. Da sie vor allem wegen des Engagements ihrer Mutter in der Zentrumspartei im nationalsozialistischen Deutschland nicht studieren konnte, entschied sie sich 1934 nach Schottland, später in die Niederlande zu gehen, wo sie den Journalisten Dr. Werner Brauksiepe heiratete. Zwischen 1946 und 1948 gehörte Brauksiepe, mittlerweile Mitglied der neu gegründeten CDU und Mutter eines Sohnes, als einzige Frau dem Duisburger Stadtparlament an. 1949 kandidierte sie für den Bundestag, dem sie 23 Jahre angehören sollte. Als ihr Mann 1954 eine Stelle als stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung „Die Glocke“ antrat, wurde sie als Pendlerin zwischen Oelde und Bonn zum „leibhaften Bindestrich zwischen Nordrhein und Westfalen“.
Ihr besonderes Interesse galt neben ihrem breiten sozialpolitischen Engagement der Mitwirkung von Frauen am politischen Aufbau Deutschlands. Bereits seit Jugendjahren Mitglied im Katholischen Deutschen Frauenbund, gehörte sie seit 1952 dessen Präsidium an. Gleichzeitig war sie Mitbegründerin der Frauenunion, der sie zwischen 1958 und 1971 vorstand, und in der sie sich für die berufliche und politische Gleichstellung von Frauen einsetzte. Bereits 1953 wurde sie aufgrund ihres Engagements in den Wahlausschuss ihrer Bundespartei für Frauenfragen berufen, 1956 in den Bundesvorstand gewählt, von 1964 bis 1969 war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und zwischen 1966 und 1969 erstes weibliches Mitglied des Präsidiums ihrer Partei. 1968 übernahm Brauksiepe schließlich als erste Frau das Bundesministerium für Familien und Jugend, in dem sie sich tatkräftig für das Recht der Ehefrau „auf personale und berufliche Entfaltung“ einsetzte.
Für ihre Verdienste, z.B. als Mitbegründerin der Europäischen Frauen-Union und des Familienbundes deutscher Katholiken, wurde sie u.a. mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern sowie dem Päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et pontifice“ der Paulus-Plakette des Bistums Münster ausgezeichnet.
Zu den schreibenden Frauen des 19. Jahrhunderts aus Westfalen gehört auch die kaum bekannte Julie Borges. Sie wurde am 3. April 1846 in Warendorf als drittes Kind eines Ober-Postsekretärs geboren. Kränklichkeit einerseits und lebhaftes musisches Interesse andererseits bestimmten ihre Jugend. 1864 legte sie ein Lehrerinnenexamen ab, verbrachte anschließend sechs Jahre in England, kehrte als Übersetzerin englischer Literatur und eigenschöpferisch tätige Schriftstellerin nach Münster zurück und wurde 1873 Diakonisse in Kaiserswerth.
Die Mitteilungen der Diakonissenanstalt zu Kaiserswerth von 1930 enthalten einen bisher nicht wahrgenommenen biographischen Abriss und weitere Nachrichten aus ihrem Leben.2 Danach hatte Julie Borges auf Vermittlung ihrer Schwägerin, die Engländerin war, eine Stelle als Privatlehrerin im Hause eines englischen Zeitungsverlegers in Cambridge antreten können, an dessen weltweiten Kontakten die begabte junge Hauslehrerin lebhaften Anteil nahm und von denen sie geprägt wurde.
Als ein Ergebnis dieser geistigen Schulung kann man die Übersetzung des dreibändigen Romans „Tricotrin oder seltsame Schicksale. Roman von Ouida“ sehen, die 1871 in Berlin erschien. Es handelt sich dabei um das seinerzeit oft gelesene, unter einem Pseudonym erschienene Werk „Tricotrin. The story of a Waif and Stray by Ouida (d.i. Marie Louise de la Ramée). Eigene Erzählungen und Novellen veröffentlichte Julie Borges mit beträchtlicher Breitenwirkung im Westfälischen Merkur, im Paderborner Volksblatt sowie in der Osnabrücker und später in der Düsseldorfer Volkszeitung.
In Kaiserswerth wurde sie alsbald Lehrerin für Englisch und Musik an dem mit dem Mutterhaus verbundenen Lehrerinnenseminar. Neben einem besonderen Erzähltalent und ihrer Sprachkompetenz rühmten ihre Schülerinnen ihre große Belesenheit, durch die sie ihnen die bedeutenden Dichter von Shakespeare bis zur damaligen Moderne nahebrachte.
Zeitlebens war Julie Borges eine begnadete Briefschreiberin. So pflegte sie mit Christoph Bernhard Schlüter, dem großen Förderer literarischer Talente in Westfalen, zwischen 1876 und 1882 einen gedankenreichen Briefkontakt.3 Ihre geistige Ausstrahlungskraft wird schließlich durch eine wenig zugängliche Quelle des Wesley Institutes in Ilkley, Yorkshire, aus dem Jahre 1904 bestätigt. Sie enthält auch ihren englischsprachigen Brief über ein Treffen mit der über 80jährigen Florence Nightingale in London, die in Kaiserswerth ihre erste Ausbildung als Krankenschwester erhalten hatte.4
Hoch verehrt verstarb sie am 26. November 1929 im Haus Tabea in Kaiserswerth und wurde, von zahlreichen ehemaligen Schülerinnen begleitet, am 1. Advent beerdigt.
In der Liste bekanntester Medailleure finden sich wenige weibliche Vornamen. Anita gehört dazu – Anita Blum.
Nach den Anfängen in der Kölner Werkschule führt der Weg der gebürtigen Düsseldorferin nach Berlin. Bildhauerarbeiten, bäuerliche Frauenfiguren aus Holz wie „Die Madonna mit der Distelblüte“ bringen ihr erste internationale Auszeichnungen ein (Silberne Medaille in Florenz). 1935 setzt sie ihre Studien an der Hochschule für bildende Künste in Berlin fort. Weitere Erfolge und Anerkennungen folgen, auch Erschöpfung, Zweifel, existenzielle Sorgen – jene Kehrseite, die sie bei ihren Medaillen später oft auslassen wird. 1940 endlich findet sie ihren künstlerischen Platz, besucht die Klasse für Medaillenkunst. Hier kann sie Bildhauerei, Grafik und ihre Vorliebe für das Erzählen von Geschichten verbinden. Auf kleinstem Raum, auf der Fläche einer Medaille, entwirft sie historische Ereignisse, Sturmfluten, Stadtbrände, auch Jahrmärkte.
1945 verschlagen die Nachkriegswirren die Familie nach Ahlen. Auch ihre ebenso künstlerisch begabte Zwillingsschwester Herma kommt mit. Die beiden Frauen richten ihre Ateliers ein: Herma, die Webmeisterin und Textilkünstlerin, an der Weststraße bei Paula Münstermann, Anita, die seit 1942 mit dem Bildhauer Robert Paulmichl verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat, später im Wohnhaus schräg gegenüber. Der künstlerische Durchbruch erfolgt 1946 mit einem Portrait des Kardinals von Galen. Von nun an wird Anita Blum-Paulmichl „in die Reihe der wesentlichen deutschen Medailleure des 20. Jahrhunderts“ eingegliedert2. 1953, als ihr zweiter Sohn Constantin geboren wird, erhält sie die Bronzene Medaille in Madrid. Der Direktor des Landesmuseums in Münster, Peter Berghaus, wird ihr Freund und Förderer. Baudenkmäler, Rathäuser, Kirchen, Brücken, Städtebilder gehören zum Bildprogramm ihrer Architekturmedaillen; auch Regionales, Brauchtum und Privates, religiöse Motive und Anlassmedaillen finden sich im Werkregister, zumeist in Bronze, einseitig gestaltet. Ihre öffentlichen Auftraggeber sind so zahlreich wie ihre Beteiligung an Ausstellungen. Ein Blick in die Kataloge zeigt ihre große Schaffenskraft; die 60er und 70er Jahre sind ihre produktivsten.
Anita Blum-Paulmichl überzeugt immer wieder durch die besondere „Ausgewogenheit von Bild und Schrift und die Rücksicht auf das Spannungsfeld des Medaillenrundes“3. Ihre Werke finden sich in zahlreichen deutschen und internationalen Museen, so in Berlin, Den Haag, London, München, Münster, New York, Oslo, Kopenhagen, Paris, Petersburg, Stockholm und Wien.
Hidden Figures – das sind drei brillante afroamerikanische Mathematikerinnen, die am Mercury- und am Apollo-Programm der NASA maßgeblich beteiligt waren. Sie sind die unbekannten Heldinnen, während die meisten von uns die Namen von Astronauten kennen. Hier geht es also nicht um weiße Männer, sondern um schwarze Frauen. Diese flotte und humorvolle Filmbiographie nach dem gleichnamigen Sachbuch von Margot Lee Shetterly erzählt eine wahre Geschichte aus den 60er Jahren, deren Brisanz heute noch von Bedeutung ist. Denn eine amerikanische Filmproduktion, in der im wesentlichen Frauen, und dann auch noch schwarze Frauen im Mittelpunkt stehen, ist nicht nur in Hollywood auch heute noch ungewöhnlich.
Beginn: 19.30 Uhr | Eintritt: 6 €
Kartenreservierung www.cinemahlen.de
2017 | Die göttliche Ordnung | Jahrhundertfrauen | Paula – Mein Leben soll ein Fest sein
2015 | Die Wolken von Sils Maria
2014 | Jackie | Violette | Das Mädchen Wadja
2013 | Paulette | Die Herzogin | Sturmhöhe | Hannah Arendt
2012 | Lourdes | Die eiserne Lady | Jane Eyre
2011 | Caramel | We want sex
2010 | Der Beginn einer Leidenschaft… | Ein russischer Sommer | Frida | Miss Potter
Kultur(o)ur-Broschüre | 2. Auflage
„WortOrte in Ahlen – eine LiteRadTour durch Ahlen“
Herausgegeben von kulturelle e.V. in Kooperation mit der Initiative WortOrte | 28 Seiten farbig, ausklappbare Karte mit Routenführung | Schutzgebühr 1 € zzgl. Versandkosten
Broschüre als PDF
Mit ihrem Leitspruch ist Susanne Schmitt-Rimkus wohl auch Gestütleiterin des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts und Direktorin der Deutschen Reitschule in Warendorf geworden. Ein Paukenschlag ging damals durch die deutsche Pferdewelt, als Susanne Schmitt-Rimkus am 1. Juni 1996 in dieses Amt eingeführt wurde. „Eine Frau, das hat es noch nie gegeben!“ – Eine Woge von Vorurteilen schlug Susanne Schmitt-Rimkus bei ihrem Amtsantritt entgegen. Doch die damals erst 31jährige ließ sich davon nicht beeindrucken und überzeugte sowohl mit Fachkompetenz und Fachverstand als auch mit Natürlichkeit und Warmherzigkeit.
Geboren wurde Susanne Schmitt-Rimkus in Essen, aufgewachsen ist sie in Schleswig-Holstein. Bereits mit 13 Jahren hatte sie ihr erstes eigenes Pony und suchte schon damals die Herausforderung: Mit 15 Jahren bot sie in Eigenregie für Kinder in den Ferien einen Reitkurs an, dessen erfolgreicher Besuch von ihr mit einem selbst erstellten Zertifikat bescheinigt wurde.
Nach ihrem Studium der Diplom- Agrarwissenschaft, Schwerpunkt Tierzucht, sammelte Susanne Schmitt-Rimkus berufliche Erfahrungen im landwirtschaftlichen Bereich sowie im Bereich der Hengsthaltung und Vermarktung.
1993 kam sie schließlich nach Warendorf, wo sie Referentin in der Abteilung Zucht bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) wurde und sich damit bereits in unmittelbarer Nähe ihrer zukünftigen Arbeitsstätte befand. Seit über 180 Jahren ist es Aufgabe des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts, qualitätsvolle und leistungsgeprüfte Hengste für die Landespferdezucht zur Verfügung zu stellen. Die seit 1968 in das Landgestüt integrierte Deutsche Reitschule stellt das Zentrum der Berufsreiterei dar und widmet sich beruflichen Ausbildungs-, Fortbildungs- und Prüfungsaufgaben.
Als die Position des Landstallmeisters bzw. der Landstallmeisterin im Warendorfer Landgestüt ausgeschrieben wurde, bekam sie die Stelle – wohl wissend, welch anspruchsvolle, aber auch chancenreiche Aufgabe damit vor ihr lag. Sogar das Fernsehen interessierte sich für Susanne Schmitt-Rimkus, und in einem Interview wurde ihr die provokante Frage gestellt, ob sie sich denn als „Quotenfrau“ fühle, worauf die zierliche Frau nur lächelte und selbstbewusst zur Antwort gab: „Ich habe zu allen in der Ausschreibung formulierten Anforderungen fundierte Kenntnisse vorzuweisen. Und deshalb bin ich es dann wohl auch geworden!“
Eine Gedenktafel zwischen dem Kunstmuseum und Rupperts Mühle erinnert an die in Ahlen geborene Dichterin Katharina Busch verheiratete Schücking, deren Elternhaus vermutlich in der Nähe der Alten Kirche St. Bartholomäus Richtung Westtor stand.
www.wortorte.de
Eine Gedenktafel an der Oststraße am Haus vor der Marienkirche (Fa. Dieler) erinnert an die Lehrerin und Ordensgründerin Schwester Immaculata geborene Elisabeth Tombrock. An dieser Stelle im Schatten der Marienkirche stand ihr Geburtshaus, damals Brauerei, Gastwirtschaft und Kolonialwarenladen.