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28.12.18

Führung im Kunstmuseum Ahlen „Brisante Träume – Die Kunst der Weltausstellung“
Beginn 16.30 Uhr
Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Marta Herford – mehr auf www.kunstmueum-ahlen.de
Anmeldung kulturelle@online.de


Im Garten von Roswindis

Roswindis von Liesborn, Äbtissin und Heilige, ist die älteste der 63 Frauen, die in diesem Lesebuch vorgestellt werden. Sie alle leb(t)en zumindest zeitweilig im Gebiet des heutigen Kreises Warendorf. Ihre Lebensgeschichten spiegeln viele Facetten der mehr als tausendjährigen Geschichte dieser ländlichen Region. „Im Garten von Roswindis“ begegnet man Fremden und Bekannten, Freundinnen und Nachbarinnen, geächteten und verstoßenen, berühmten und erfolgreichen, besonderen und verehrten Frauen.

160 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-87023-325-9
Ardey Verlag
13,90 €

„Klarheit und Konsequenz“

Silke Rehberg

* 1963

Ahlen
Sendenhorst

Kunst/Architektur

Abb.: Im Studio bei Karl Markovics
Foto: Stephan Kube

Silke Rehberg lässt im Gespräch schnell deutlich werden, dass zu Inspiration, Vorstellungsvermögen und technischer Fertigkeit noch deutlich andere Tugenden hinzukommen müssen, um aus einem begabten Menschen einen Künstler werden zu lassen: So sei ihr Vater ein „Tüftler“, der ihr auch heute noch oft bei der Lösung technischer Probleme hilft. Die Suche nach dem richtigen Material – was wofür verwendbar ist – die Anwendbarkeit oder der Umbau von technischem Gerät – das sind Fragen, die für die Künstlerin von großer Bedeutung sind.

Die Suche nach einem bestimmten Typ „Mann“, der ihrem (Vor-)Bild für den Christus des Kreuzwegs für die Kirche St. Teresia in Münster entspricht, führte sie erst in die Theater der Region und schließlich bis nach Wien – wo sie mit einem Fotografen Fotostudien des Schauspielers Karl Markovics anfertigte – beeindruckt davon, dass der Befehl „Jetzt stirb!“ ausreichte, um den aus dem Film Die Fälscher bekannten Schauspieler in eine entsprechende Pose verfallen zu lassen. Nun blickt der Besucher in der Werkstatt hinter dem Haus und im Atelier auf viele Fotos, Skizzen, Büsten und Köpfe eines eindrucksvoll mit der Mimik von Markovics leidenden Christus – jedes Motiv wird schließlich mehrfach gebrannt. Die durch den Brand entstehenden Veränderungen – vor allem in der farbigen Fassung – führen dazu, dass von den zwei bis drei Güssen eines Motivs nur einer der „Richtige“ ist. Deutlich wird: Die Technik des Gipsgusses ist harte körperliche Arbeit, und ohne ein hohes Quantum an Hartnäckigkeit wären die Ergebnisse, die Silke Rehberg zu Beginn jedes Projekts vor ihrem inneren Auge hat, nicht zu erzielen.
Dazu braucht es Ruhe und Kraft, die die in Ahlen geborene, heute bei Sendenhorst auf einem Bauernhof wohnende Bildhauerin in ihrem – frei von ihr nach Thomas Manns „Herr und Hund“ beschriebenen – Idyll komprimiert: Mit ihrer Familie und einer Schar von Drinnen- und Draußenkatzen wohnt sie in einem verwinkelten Fachwerkhaus – ihre Werkstatt befindet sich direkt dahinter. Der Einrichtung merkt man persönliche Sammelleidenschaft an – und viel Unkonventionalität und Humor.

Auch der findet sich in ihren Arbeiten: Die Meerschweinchen –Tondi an einem Münsteraner Uni-Gebäude frei nach della Robbia sind Portraits – wenn sich auch die in Münster entdeckte Meerschweinchenart „Galea monasteriensis“ nicht darunter befindet. Mit einem Augenzwinkern, aber ernst gemeint – das ist oft eine der Botschaften ihrer in weichen, erdigen Farben gehaltenen Kunstwerke. Und diese sind gleichzeitig eines von Silke Rehbergs „Kennzeichen“, denn diese Farben finden sich sowohl in der farbigen Fassung ihrer Tonplastiken als auch in den Illustrationen der von ihr gestalteten Schulbibel.

Ihr thematisches Spektrum ist weit; ihr technisches Spektrum ebenfalls: Zur Verleihung des Rubenspreises der Stadt Siegen im Jahre 1999 an die Meisterschülerin von Timm Ulrichs heißt es: „Mit Silke Rehberg hat die Jury eine Künstlerin geehrt, die bereits ein vielschichtiges Werk vorweisen kann. In ihren Arbeiten verbindet sie die Wirklichkeiten der menschlichen Erfahrung mit der Wirklichkeit künstlerischer Form.“


Christiane Seitz-Dahlkamp

„Ich habe noch kein Hobby gefunden, das schöner ist als Pferde.“

Monica Theodorescu

* 1963

Sassenberg

Sport

Monica Theodorescu

Für Monica Theodorescu, Dressurreiterin und Olympiasiegerin aus Sassenberg-Füchtorf, ist der Pferdesport Berufung, Beruf und Liebhaberei zugleich. Die enge Verbundenheit zur Natur und zu den Pferden wurde der 45jährigen in die Wiege gelegt. Ihre Eltern George Theodorescu und Inge geb. Fellgiebel waren ebenfalls erfolgreiche Reiter. Als Kleinkind bekam sie ihr erstes Pony, mit sechs Jahren ihr erstes Pferd.

Nach dem Abitur studierte sie in Bielefeld Sprachen. Ihre perfekten Französisch- und Spanischkenntnisse kommen der berühmten Reiterin heute zugute, wenn sie Ausbildungslehrgänge im Ausland gibt. Ihr überragender Erfolg über Jahrzehnte hinweg basiert auf eiserner Disziplin und sportlichem Ehrgeiz, gepaart mit Respekt und Verständnis für ihre Pferde mit all ihren Eigenarten und Vorzügen. Sie bildet sie selber aus, trainiert eisern, sitzt jeden Tag fünf bis sechs Stunden im Sattel.
In ihrem Anwesen in Füchtorf legen die Pokale und Preise Zeugnis von ihren Erfolgen ab. Gezählt hat Monica Theodorescu ihre Siege nicht. Die wichtigsten sind sicherlich die Siege der Deutschen Dressurmannschaften bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul, 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta, für die sie die Goldmedaille erhielt, aber auch die vielen vorderen Plätze in der Einzelwertung bei den Europameisterschaften und Grand Prix-Veranstaltungen.

Wenn man einen Beruf hat, der zur „Berufung“ geworden ist, dann sind die Grenzen zwischen Privat-und Berufsleben fließend. Wenn ihr der Pferdesport Zeit lässt, hört sie zur Entspannung Musik, spielt gern, aber selten Golf mit ihrem Mann und gönnt sich einmal im Jahr eine einwöchige Auszeit.
Neben den Pferden haben auch vier Hunde ihren festen Platz im Leben von Monica Theodorescu: ein Greyhound, eine französische Bulldogge, ein Foxterrier und ein Rottweiler liegen ihr zu Füßen und gehorchen aufs Wort.
Am Herzen liegt der sympathischen Reiterin der „International Dressage Riders Club“. Dem Komitee gehört sie seit Jahren an, in dem sie engagiert die Interessen der Dressurreiter vertritt.


Angelika Knöpker

„Ich hatte solche Angst.“

Süheda – genannt Tülay – Naisar

geb. Topcu | * 1957

Ahlen

Gewalt/Migration
Soziales Engagement

Süheda – genannt Tülay – Naisar

Mit siebzehn Jahren kommt Süheda Topcu aus Izmit am Marmarameer nach Deutschland, gemeinsam mit ihrem 15 Jahre älteren Ehemann, der ihr ein Studium versprochen hat – jene Perspektive, die die Familie eher dem kranken Bruder als der begabten Süheda aufzeigt. Das frischvermählte Paar zieht in die Wohnung des Mannes in einem kleinen Dorf bei Schwäbisch-Hall, wo er als ungelernter Arbeiter beschäftigt ist.

Die naiven Zukunftsträume Sühedas verkehren sich schnell ins Gegenteil, sie wird schwanger, von Schule und Abitur ist nicht mehr die Rede, der Ehemann erweist sich als extrem eifersüchtig, setzt seine Interessen mit Gewalt durch, sperrt die attraktive Süheda mit der kleinen Tochter tagsüber ein. Dennoch lernt Süheda Deutsch – mit Hilfe des Fernsehens.
Nach vier Jahren Martyrium schließlich gelingt ihr, unterstützt durch eine Nachbarin, die Flucht nach Stuttgart. Die kleine Tochter ist inzwischen bei Sühedas Familie in der Türkei. Ohne Pass, ohne Arbeitserlaubnis und in ständiger Angst, von ihrem rachsüchtigen Ehemann gefunden zu werden, jobbt Süheda Topcu in Kneipen und Restaurants, bis ihr eine deutsche Arbeitskollegin, die zu ihrer Familie nach Hamm-Heessen zurück will, vorschlägt nachzukommen. 1982 trifft Süheda in Ahlen ein. Sie findet Freunde und Unterstützer, arbeitet weiterhin schwarz. Der damalige Bürgermeister Jaunich setzt sich für sie ein. Mit Hilfe des Petitionsausschusses erhält sie schließlich nach acht Jahren ihren türkischen Pass wieder und eine Aufenthaltsgenehmigung. Süheda heiratet ein zweites Mal, doch ihr zweiter Mann ist alkoholabhängig, nach kurzer Ehe trennt sie sich, bleibt mit dem gemeinsamen Sohn in der Wohnung in Ahlen. Sie erwirbt den Führerschein und macht schließlich mit 40 Jahren ihren Hauptschulabschluss an der Volkshochschule. Ihr erster Mann ist inzwischen tot, ermordet, Gerüchten zufolge von den Brüdern seiner noch verheirateten Geliebten.

Süheda Naisar, in Ahlen kennen sie viele nur unter ihrem „Verstecknamen“ Tülay, weiß wovon die Rede ist, wenn sich Frauen – gleich welcher Herkunft – in Not an sie wenden. Informell und privat engagiert sie sich für Leidensgenossinnen, fährt Frauen ins Frauenhaus oder begleitet sie zur Beratung, stellt Verfolgten und Misshandelten auch schon mal ihr eigenes Bett für eine Nacht zur Verfügung, organisiert Frauengesprächsgruppen, vertritt die Interessen von Frauen aus anderen Kulturen in verschiedenen Gremien, hilft und unterstützt, wo sie kann. Gerne würde sie noch einen Berufsabschluss machen, ein Studium absolvieren – das ist ihr persönlicher Traum.


Christa Paschert-Engelke

„Pferde-Traber sind meine große Leidenschaft.“

Rita Drees

* 1942

Everswinkel

Sport

Rita Drees

Seit nunmehr 43 Jahren sitzt Rita Drees, die kleine drahtige Frau aus Everswinkel, fest im Sulky. Die Erfolgsliste der Amateur-Trabrennfahrerin ist lang und liest sich wie eine unglaubliche Geschichte. Zweimal wurde sie Europameisterin, 2284 Siege mit einem Preisgeld im zweistelligen Millionenbereich hat die lange Zeit in Everswinkel lebende Sportlerin bei Rennen im In-und Ausland geholt, davon allein 62 Siege im letzten Jahr.

Zum 13. Mal hat sie 2007 das Bundesdeutsche Championat als bester Amateur – Trabrennfahrer Deutschlands gewonnen. An ein Aufhören denkt die Pferdesportlerin noch lange nicht. „Solange es meine Gesundheit zulässt, fahre ich weiter.“ Grundlagen ihres sportlichen Erfolgs sind ihrer Meinung nach eine weiche Hand im Umgang mit dem Pferd, Einfühlungsvermögen gepaart mit Verständnis, Erfahrung und einer gehörigen Portion guter Nerven. Die hat sie in den vier Jahrzehnten aktiven Sports auch gut gebrauchen können. Ihre Liebe zu Trabrennen kommt nicht von ungefähr.
Sie war ein junges Mädchen, als ihr Onkel und Trainer Erich Speckmann sie mit zu Rennen nahm und später ausbildete. Auf Wunsch der Mutter musste die junge Rita jedoch zunächst die Schule besuchen und eine Lehre absolvieren. Die qualifizierte Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Firma Winkhaus in Telgte nutzte sie für eine spätere Festanstellung beim Hauptverband für Traberzucht mit Sitz in Bonn, später Kaarst, für den sie bis zu ihrer Pensionierung fast 45 Jahre lang arbeitete. Mehrmals in der Woche fuhr sie zu Trabrennen, investierte Zeit und Geld in ihr Hobby, denn als Amateurfahrerin steht das Preisgeld den Besitzern der Rennpferde, nicht aber den Fahrern zu. Unterstützt wurde und wird sie noch heute von Freundin Karola Döme, die 1963 den Trabrennsport für Frauen salonfähig gemacht hat. Gab es in den ersten Jahren noch eine reine Damenklasse, kämpfen heute Männer und Frauen gleichberechtigt Seite an Seite. Gemeinsam haben Rita Drees und Karola Döme zahlreiche Trabrenn-Termine im In- und Ausland absolviert.

Ihr Lebensmittelpunkt ist heute Gronau/Epe. Und wenn es die Zeit zulässt, dann sieht man sie gemeinsam auf dem Golfplatz oder beim Radfahren. Dackel „Lea“ als ständiger Begleiter ist beiden Frauen ans Herz gewachsen. Inwieweit er das Hobby der Pferdenärrinnen teilt, ist nicht dokumentiert. Rita Drees jedoch wird ihrer Leidenschaft auch mit 66 Jahren noch gern und oft nachgehen und sicherlich viele Siege mit nach Hause bringen.


Angelika Knöpker

„…Für eine sportliche Jugend.“1

Hilde Fuest

geb. Weiskircher | * 1940

Beckum

Soziales Engagement
Sport
Wirtschaft/Unternehmen

Hilde Fuest

Das ist das Motto der Hilde-Fuest-Stiftung. Die 68-jährige Neubeckumerin ist Vorbild für gesellschaftliches Engagement. Getreu ihrem Motto, die Dinge nicht nur beim Namen zu nennen, sondern die eigenen Ideen in Taten umzusetzen, hat die Unternehmersfrau aus Neubeckum 1999 die Hilde-Fuest-Stiftung gegründet. Ihr vorrangiges Ziel ist es, Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten frühzeitig für das Vereinsleben zu gewinnen und sie durch eine öffentliche kreative und zeitgemäße Projektarbeit auf Dauer in die Sportvereine zu integrieren. Aus der Arbeit und dem Training mit Kindern und Jugendlichen ist die Idee gewachsen, ihnen mit Hilfe vorbildlich geführter Sportgruppen ein zweites Zuhause zu geben. Im Rhythmus von zwei Jahren werden jeweils 10.000 Euro von der Hilde-Fuest-Stiftung ausgeschüttet. Sportvereine aus der Stadt Beckum erhalten eine finanzielle Förderung, aber nur dann, wenn sie sich mit einer Dokumentation ihrer geleisteten Arbeit in einem Projekt über die letzten zwei Jahre beworben haben und als Dritt- oder Zweit- oder Erstplatzierte hervorgehen.

Das Engagement von Hilde Fuest ist groß. Die bekannte und beliebte Neubeckumerin hat den Schwimmverein Undine 12 Jahre als erste Vorsitzende geleitet und die Partnerschaft mit dem Schwimmverein CS Cellois in La Celle St. Cloude (Frankreich) vor 30 Jahren mitbegründet. Sie selbst ist heute noch aktive Sportlerin, wobei sie den Schwerpunkt auf Tennis und Training für das Sportabzeichen legt. Das Goldene Sportabzeichen wurde ihr in diesem Jahr zum 28. Mal verliehen. Ihr Herz schlägt auch für die Singgemeinschaft Beckum, bei der sie 14 Jahre als zweite Vorsitzende wirkte und viele Reisen und Konzerte organisierte.
Auch beruflich hat Hilde Fuest viel bewegt und erreicht. 1964 war sie die erste Frau Deutschlands, die ein Studium als Baubetriebsingenieurin in Mainz erfolgreich abschloss. Ein Jahr später kam die gebürtige Saarländerin nach Neubeckum. Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie die Fuest-Unternehmensgruppe, d.h. fünf Kliniken und drei Altenpflegeheime, auf und erzog die drei gemeinsamen Töchter. In den folgenden Jahren begleitete sie zudem noch Patienten in der Klinik Am Malerwinkel in Bad Sassendorf, der heutigen Residenz Bad Sassendorf.

Wenn sich Hilde Fuest auch vor fünf Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, wird sie nicht müde, gemeinnützige Projekte zu initiieren und zu unterstützen. Nächstes Ziel der engagierten Sportlerin ist die Gründung einer Stiftung in weiteren Städten des Kreises Warendorf.


„Was uns zufällt, ist kein Zufall! Es gibt so etwas wie Fügung.“

Hildegard Tünte-Poschmann

* 1940

Telgte

Soziales Engagement
Politik/Verwaltung

Hildegard Tünte-Poschmann

So lautet ein Lebensmotto der aus Münster stammenden und seit 1964 in Ostbevern lebenden Grundschullehrerin. Die Schullandschaft in Ostbevern hat sie als Lehrerin und in besonderer Weise als Konrektorin und von 1996 bis 2002 als Rektorin der Ambrosius-Grundschule geprägt.

Beruf, Familie und die Politik galt es zusammenzubringen „Frauen müssen berufstätig sein können, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen!“, so ihr Wahlspruch. Nach einigen Jahren im Rat der Gemeinde Ostbevern als CDU-Vertreterin erfolgte 1988 ihre Wahl zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin: Für ein Dorf im Münsterland sicher eine Sensation. Das traditionelle Treffen an der Theke ist nicht ihre Sache, Überzeugungsarbeit liefert sie in anderen Zusammenhängen. Beharrlichkeit in der Verfolgung der angestrebten Ziele, die besondere Fähigkeit, andere Menschen in ihren Anliegen zu verstehen und ernst zu nehmen, haben ihr in ihrer politischen, sozialen und pädagogischen Arbeit sehr geholfen. Geprägt durch eine christliche Erziehung, verwurzelt in ihrer katholischen Kirche, der sie durchaus in manchen Bereichen kritisch begegnet, ist der soziale Bereich für sie eine besondere Verpflichtung. War es zunächst im schulischen Bereich die intensive ganzheitliche Bildung der Kinder, setzte sie sich bald für die Integration Behinderter in die Regelklassen ein. Dem Verein zur Integration Behinderter in Ostbevern fühlt sie sich verbunden, 1974 gründete sie die Mutter-und-Kind-Hilfe mit. Ging es zunächst um die Vermittlung von Tagesmüttern im Bereich Ostbevern, kümmert man sich heute zusätzlich in eigenen Einrichtungen um die außerfamiliäre Betreuung von Kindern.

Hildegard Tünte-Poschmann war zwar in vielen Parteigremien tätig, ihre eigentliche Arbeit sieht sie aber auf Orts- und besonders auf Kreisebene. Die Vorsitzende des Sozialausschusses im Kreistag hält den Kontakt zur Basis. Betroffen war die katholische Christin durch den Rückzug ihrer Kirche aus der Schwangerschaftskonfliktberatung. Donum Vitae im Kreis Warendorf im Jahr 2000 mitzubegründen, war ihr ebenso ein Anliegen wie die bis heute andauernde Arbeit im Hospizkreis in Ostbevern. Erfahrungen im eigenen Umfeld waren zusätzliche Motivation. „Meine Fähigkeiten habe ich dazu erhalten, dass ich sie für den Mitbürger, für den Nächsten einsetze – überall dort, wo ich gebraucht werde.“ Mann / Frau muss schon Energie geladen, hoch motiviert und organisiert sein, um einem solchen Anspruch, um dieser Arbeitsleitung gerecht werden zu können.


Günter Witthake

„Ich bin Löwin…“

Heffa Schücking

* 1959

Sassenberg

Landwirtschaft/Natur
Soziales Engagement

Heffa Schücking
Foto: © Florian Schwinge

…sagt Heffa Schücking, während ihre braunen Augen ruhig und gelassen durch das sandsteingerahmte Küchenfenster direkt auf die barocke Pfarrkirche der ehemaligen Residenzstadt Sassenberg blicken. Aber ihre Kindheit verbrachte sie weder in Afrika oder Indien, noch in Sassenberg auf dem von Johann Konrad Schlaun erbauten Familienstammsitz, sondern im Wilden Westen – in Texas. Dorthin hatte ihr Vater, der Physiker Engelbert Schücking, seine Familie Anfang der 60er Jahre mitgenommen. 1974 zog Heffa nach Sassenberg, und seit 1992 befindet sich hier der von ihr gegründete Verein Urgewald.

Heffas markantes Sternzeichen ist aber eher Profil als Symbol des Engagements. Das waren viel mehr die Primaten, jene Affen, mit deren Verhalten sie sich im Biologiestudium beschäftigte und deren Lebensräume heute massiv bedroht sind. Anders als ihre ersten role models, die großen Verhaltensforscherinnen Jane Goodall oder Dian Fossey, setzte sie von Anfang auf politischen Umweltschutz. „Menschenrechte und Umweltschutz hängen eng zusammen.“ Und wenn nötig, reist sie heute z.B. ins Land der Löwen nach Indien, um für ihre Kampagnen gegen die Zerstörung von gewachsenen Lebensräumen für Menschen und Tiere durch industrielle, von westlichen Großbanken finanzierte Projekte zu recherchieren – egal ob es dabei um die Abholzung der Regenwälder, riesige Zellstoffplantagen zur Papierherstellung, den Bau einer gigantischen Ölpipeline oder eines Staudamms geht, für den dutzende von Dörfern überflutet werden sollen, oder um ein Kohleabbaugebiet, das zur Zwangsumsiedlung – gemeint ist Vertreibung – von 200.000 Menschen führen würde. Gemeinsam mit sieben anderen Beschäftigten stört Urgewald mit ihren Kampagnen die Kredit- und Spekulationsgeschäfte der Weltbank und westlicher Konzerne.

Heffa Schücking verhandelt in den Vorstandsetagen der Banker, informiert z.B. auf Aktionärsversammlungen der kreditgebenden Gesellschaften und zeigt den Entscheidungsträgern persönlich und direkt vor Ort, wie sie durch ihr Geld Tausenden von Menschen die Existenzgrundlagen nehmen würden. Ihre Strategien sind eindeutig: die verantwortlichen Geldgeber informieren, Betroffenheit vermitteln, mediale Aufmerksamkeit schaffen und die Entscheidung herbeiführen, den Geldhahn zuzudrehen. Gemeinsam mit Urgewald ist Heffa Schücking das bereits mehrfach gelungen. In den Vorstandsetagen deutscher Banken ist ihr Name ein Signal. „Aber auch wenn eine Kampagne scheitert, geben wir nicht auf, sondern helfen den Betroffenen, sich weiterhin zu wehren.“

1994 wurde sie für ihr Engagement mit dem renommierten US-amerikanischen Goldman-Prize ausgezeichnet, ein Jahr später ernannte die Mona-Lisa-Redaktion des ZDF sie zur Frau des Jahres.
Und am Schluss des Interviews schaut Heffa Schücking doch etwas sphinxhaft: „Ach übrigens, auf welchem Papier wird eigentlich dieses Buch, für das wir dieses Gespräch führen, gedruckt?“


Christa Paschert-Engelke

„Meine Muse ist kürzlich träge gewesen, sie kann den Küchendampf nicht gut leiden…“1

Katharina Busch

geb. Schücking | 1791 – 1831

Ahlen

Literatur/Dichtung

Katharina Busch, ausgestellt im Museum für Westfälische Literatur Haus Nottbeck
Foto: © LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster | Depositum
Schücking

…so schreibt die 18jährige Katharina Busch 1809 aus Ahlen an ihren Mentor Anton Mathias Sprickmann. Seit ein paar Monaten lebt sie wieder in ihrem Geburtsort, nun als Hausgehilfin bei der Familie von Kalkstein auf dem Adelssitz Severinghausen. Vermutlich nicht ganz freiwillig hatte sie ihre Familie in Dülmen verlassen, um selbst zum Lebensunterhalt beizutragen. Obwohl der Vater Richter ist, reicht sein schmales Einkommen nur knapp für seine zwölf Kinder. Erst unlängst sind ein paar ihrer Gedichte in der Mimigardia, einem poetischen Taschenbuch mit Beiträgen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Münster, veröffentlicht worden. Zuvor hatte Katharina eine kurze Zeit in Münster verbracht, wo Sprickmann sie in den Kreis um die Fürstin von Gallitzin einführte.
Aus Severinghausen beginnt sie in Erinnerung an ihre glanzvolle Zeit in Münster einen Briefwechsel mit dem Dichter und Juristen Sprickmann, der bis zu ihrem Tode währen sollte. Darin bittet sie ihn immer wieder um literarischen, später auch persönlichen Beistand. Aber ein literarischer Durchbruch gelingt ihr ebenso wenig wie vielen anderen hochbegabten Frauen dieser Zeit – und schon gar nicht mit solchen konservativen Ratgebern wie Sprickmann, der weder Annette von Droste-Hülshoff noch Katharina Busch in ihren schriftstellerischen und persönlichen Entwicklungen fördert. Stattdessen heiratet Kathinka den Juristen Paulus Modestus Schücking, folgt ihm ins abseits gelegene Emsland in eine unglückliche Ehe und in eine Einsamkeit, die arm an gesellschaftlichen Reizen und kulturellen Ansprüchen ist. Sechs Geburten zehren an ihrer Gesundheit, zwei Kinder verliert sie kurz nach der Geburt, sie selbst stirbt früh – erst 40jährig.

Schon 1809 in Ahlen-Severinghausen hatte sie ihr Schicksal vorhergesehen: „Wenn ich den beschränkten Wirkungskreis meines armen Geschlechts bedenke, wär ich doch kein Weib geworden!, das sich so geduldig in all‘ die Fesseln und Einschränkungen des bürgerlichen Lebens schmiegen muss, und das, so verschieden auch sein Charakter und seine Geisteskräfte sein mögen, doch immer sich derselben Bestimmung fügen muss.“ Wäre sie nicht die Mutter Levin Schückings und ein frühes Vorbild für Annette von Droste-Hülshoff gewesen, die ihr mit ihrem Gedicht „Westfalens Dichterin“ ein ehrendes Gedenken bewahrt, wäre sie vermutlich spurlos in Vergessenheit geraten.


Christa Paschert-Engelke

1 Desel, Jutta und Gödden, Walter  (Hg.), Katharina Busch-Schücking, Werke und Briefe, Bielefeld 2005, S. 37

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