„…dar unse convent eern vortganck by kreech“1

Eva Dedinchem

Amtszeit 1459 – 1491

Beckum

Handwerk/Handarbeit
Kloster/Kirche/Religion

Fingerhut, bei Ausgrabungen gefunden, vermutlich älter als Eva Dedinchem

Es stand schlecht um die neue Frauengemeinschaft der 1446 gegründeten Kongregation der „Schwestern vom gemeinsamen Leben“ im „Süsternhus Blumental“, als Eva Dedinchem von Vreden aus dem Schwesternhaus Marienbrink zu Borken 1459 nach Beckum kam. Es war schon das zweite Domizil, das die Beckumer Schwestern bewohnten. Die münstersche Stiftsfehde mit ihren kriegerischen Unruhen hatte die Schwestern 1451 veranlasst, das „süsternhus ton Marienborn“ außerhalb der Stadtmauern zu verlassen und ein Haus nahe der Südpforte in der befestigten Stadt zu erwerben. Es herrschten Not und Hunger, als Eva Dedinchem als Vorsteherin den Konvent übernahm.

Mehr als 20 Süsternhäuser waren seit 1450 in Westfalen entstanden, die der Botschaft der  aus den Niederlanden kommenden neuen Frömmigkeitsbewegung, der devotio moderna folgten2. Programm war die Rückbesinnung auf die Bibel, die innere Hingabe an Gott, aber ohne Ordensregel in freier, autonomer Gemeinschaft als dritter Weg zwischen Kloster und Welt. Die Aufnahmekriterien waren – anders als bei den traditionellen Orden und Stiften, wo Stammbaum und Mitgift entschieden – bescheidener: In die Süsternhäuser konnten alle unverheirateten freien Frauen eintreten, sofern sie bereit waren, auf persönliches Eigentum zu verzichten und einen Teil des Lebensunterhaltes selbst zu erwirtschaften, z. B. durch einfache textile Handarbeiten. Eva Dedinchem hatte offensichtlich wirtschaftliches Geschick und Führungskompetenz; unter ihrer strengen Aufsicht wurde bis Mitternacht gearbeitet, um die Schulden abzubauen: „so dat ze des avendes somtyd zeten und arbeydeden hent to der mydder nacht spynnende unde wevende“.
In den nächsten Jahren erweiterte sie das Süsternhaus durch Ankauf um Gebäude, Gärten und Ländereien; Stiftungen und Schenkungen kamen hinzu. Vier Jahre nach ihrem Amtsantritt konnte bereits eine eigene Kapelle eingeweiht werden. Doch ebenso wenig wie ihren Amtskolleginnen in den anderen Schwesternhäusern im Bistum Münster gelang es ihr, die ursprünglich ungebundene Gemeinschaft ohne Ordensregel und Klausur zu erhalten. Schließlich mussten die Beckumerinnen 1464 die Augustinerregel annehmen und begaben sich damit in ein streng kontrolliertes, klösterlich bestimmtes Leben.

Wie groß der Konvent damals war, kann nicht mehr genau bestimmt werden. Immerhin konnten 1467 vier Schwestern das Haus in Beckum verlassen, um ein weiteres Schwesternhaus in Ahlen, Maria Rosa, aufzubauen. Eva Dedinchem starb nach 32 Jahren erfolgreicher Leitung am 20. Dezember 1491. In Erinnerung an Eva Dedinchem und aus Dankbarkeit für ihre hilfreiche Unterstützung feierte man im Schwesternhaus in Ahlen ihre Memorie stets am 18. Dezember.
1812 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung endgültig aufgelöst.


Christa Paschert-Engelke

1 Chronik des Klosters Blumental, StAM Msc. I, 91 f.2-4 zitiert nach: Kohl, Wilhelm, Germania Sacra, Das Bistum Münster, Berlin 1968, S. 231
Eva Dedinchem war die erste Mutter, die für den Fortbestand des Konvents sorgte.
2 Siehe dazu Paschert-Engelke, Christa, Die religiösen Frauengemeinschaften im Überblick, In: Bistum Münster – Referat Frauenseelsorge (Hg.), „welchen Einfluß das im Christenthume veredelte Weib ausübe – 1200 Jahre Frauen im Bistum Münster, Münster 2005, S. 53 – 65

Dormitorium
Kloster Blumental