Christine Terfloth wuchs in wohlhabenden Verhältnissen in Telgte auf. Durch ihre Ehe seit 1790 mit Clemens August Anton Terfloth (1758 – 1833) trat sie in das Mühlengeschäft ein, das ihr Schwiegervater für ihren Ehemann als Pächter vom Fürstbischof in Münster übernommen hatte.
Aus der Ehe gingen zwölf Kinder – zwei Söhne und zehn Töchter – hervor; die Söhne erreichten das Erwachsenenalter nicht.
Nachdem die fürstbischöflichen Liegenschaften ab 1815 in das Eigentum Preußens übergegangen waren, stand Clemens Terfloth in Kaufverhandlungen mit der Provinzialregierung in Münster. Er verstarb 1832, und seine Witwe Christine schloss den Kauf 1838 erfolgreich ab. Von nun an führte sie den Mühlenhof mit den drei Emsmühlen (Große Sägemühle, Ölmühle und Kleine Mühle) sowie weitere Besitztümer ihrer Familie Gewinn bringend weiter.
In ihren drei Testamentsfassungen von 1838 bis 1846 verfügte sie, dass das Mühlengeschäft an ihre 4 unverheirateten Töchter Angela, Lisette, Dina und Catharina fallen solle, damit diese ein finanziell unabhängiges Leben führen konnten. In weiteren Bestimmungen sicherte sie die weitere Erbfolge vorrangig für unverheiratete Familienmitglieder. Diese Regelungen entsprachen nicht den allgemein gültigen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts, in dem üblicherweise männliche Familienmitglieder, ob direkte oder eingeheiratete, Geschäfte führten und Eigentum erbten.
Nach dem Tod der Mutter blieb das Mühlenunternehmen in den Händen der vier Töchter. Angela überlebte ihre Schwestern um 20 Jahre und blieb bis zu ihrem Tod Alleineigentümerin. In den Folgejahren modernisierte sie die Mühlen, errichtete eine 4. Mühle und baute das Geschäft erfolgreich aus.
In Telgte firmierte sie als „Tante Engel“, eine Wohltäterin innerhalb der großen Familie und in der Kirchengemeinde. Unter anderen wurde Pater Christoph Bernsmeyer regelmäßig mit Spenden für sein Waisenhaus bedacht.
Angela Terfloth setzte bewusst die Strategie der weiblichen Erbfolge ihrer Mutter fort. Nach ihrem Tod im Alter von 90 Jahren erbten die unverheirateten Nichten Fanny und Laura und nach ihnen wiederum eine Nichte, Antonia Becker, das Mühlengeschäft. Mit dem Konkurs 1907 endete die 70-jährige Ära der weiblichen Müllerinnen in Telgte.
Noch heute stellen die Mühlengebäude für das Stadtbild von Telgte charakteristische Orte dar. Die Große Mühle, das heutige Bernsmeyerhaus, ist im Besitz der Kirchengemeinde Sankt Marien. An diesem Gebäude wird mit einer Gedenktafel an Pater Christoph Bernsmeyer, dem Begründer des Ordens der Mauritzer Franziskanerinnen, und an Johann Conrad Schlaun erinnert. Die Kleine Mühle am Emstor ist mittlerweile im städtischen Besitz und zentraler Jugendtreff.
Die Terfloth-Frauen sind erst seit 2025 als sogenannter FrauenOrt am Bernsmeyerhaus sichtbar.