1996 bekam unter großer öffentlicher Anteilnahme ein kleiner beschaulicher Platz in Ahlen den Namen „Therese-Münsterteicher-Platz“. 2002 wurde mit ebenso breitem öffentlichem Interesse eine Biographie über Therese Münsterteicher vorgestellt. Ihre Grabstätte auf dem Ahlener Südfriedhof wird bis heute regelmäßig von einer Schulklasse der Geschwister-Scholl-Schule gepflegt.
Wer war diese Frau? Was war in ihrem Leben, das solch eine Aufmerksamkeit erregte?

Therese Münsterteicher wurde am 4. Februar 1897 als viertes Kind der Familie Nübel in der Nähe von Hövelhof im Delbrücker Land geboren. Sie wuchs auf dem Land auf, in einem bäuerlichen Umfeld, in dem viel Arbeit, wenig Geld und ein strenges Regiment der Mutter den Alltag bestimmten.
Die insgesamt sechs Geschwister hielten dennoch gut zusammen, auch als fünf von ihnen sich auf den Weg machten in die aufblühende Industrie- und Zechenregion um Ahlen herum. Mit 16 Jahren, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, kam auch Therese nach Ahlen. Sie zog in die Klosterstraße zu ihrer Schwester. Mit der verstand sie sich wie mit einer guten Freundin. Sie suchte sich Arbeit. Sie brachte Brötchen herum, fuhr mit dem Fahrrad quer durch ihre neue Heimatstadt, strahlte dabei Optimismus und ansteckende Lebensfreude aus. So knüpfte sie rasch Kontakte und war oft Mittelpunkt in ihrer Familie und im Freundes- und Bekanntenkreis.
In den 20er Jahren fand sie Arbeit in der Emaillefabrik Rollmann & Tovar. Hier, am Packtisch, freundete sich Therese, die nur „Thres’ken“ oder „Thres’chen“ genannt wurde, besonders mit einem jungen Mädchen, Rosa Moszkowicz, an. Rosa hatte zu Hause kleinere Geschwister, um die sie sich liebevoll kümmerte. Und Therese kümmerte sich mit, übertrug ihre Freundschaft auf die gesamte Familie.

Sie gab die Freundschaft nicht auf, hielt zu der jüdischen Familie Moszkowicz, auch als die Nationalsozialisten in ihrer Schreckensherrschaft Menschen jüdischer Religion und Herkunft zu Staatsfeinden und Untermenschen degradierten und selbst Mitmenschlichkeit und Freundschaft unter Strafe stellten. Sie besuchte ihre Freunde, stellte ihr Fahrrad offen vor die Haustür, sie brachte ihnen Lebensmittel und warnte sie, wenn sie von geplanten Aktionen gegen Juden erfuhr. Sie suchte nach ihnen in der Pogromnacht des 9. November 1938. Als 1939 die Familie Moszkowicz nach Essen zwangsumquartiert wurde, packte sie ihre Taschen voll mit Brot, Kohlköpfen und Ziegenfleisch, fuhr nachts heimlich mit dem Zug und traf sich im dunklen Grugapark mit ihrer Freundin. Therese half, so lange sie konnte – so lange bis alle Familienmitglieder ihren furchtbaren Weg in die Deportationszüge und Konzentrationslager antreten mussten.
Als einziger überlebte Rosas Bruder Imo. Er wurde ein namhafter Schauspieler und Regisseur und brachte Jahre nach Thereses Tod den Erinnerungsstein an sein „Tante Thres’chen“ ins Rollen.

„Und wo sind die anderen? Wo sind die anderen?“
Therese sah Imo an, der vor ihr stand, an ihrer Haustür in der Gartenstraße. Er stand da, abgemagert, kahlgeschoren, allein<br>.
„Wo sind die anderen, Imo?“ Sie schaute ihn lange still an.
Dann nahm sie ihn in die Arme.2

In ihrem Nachruf trauerten die Genossinnen und Genossen um „die Mutter der SPD im Kreis Warendorf“, der Kreisverband der AWO nimmt Abschied von der Gründerin und Ehrenvorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt in Warendorf, die Arbeitsgemeinschaft der sozialdemokratischen Frauen gedenkt der Gründerin der ersten sozialdemokratischen Frauengruppe: die Genossin Wilma Meyer-Carlstädt war 74 Jahre aktives Mitglied der SPD. 1906 in Hannover geboren als Tochter eines Oberbäckers, der als „Gewerkschaftler der ersten Stunde“ galt, war sie von Haus aus der Sozialdemokratie nahe. Wegen ihrer sozialen Herkunft durfte sie, „das Proletenkind“1, das Lyzeum nicht besuchen. Stattdessen machte sie an einer Privatschule die Mittlere Reife, arbeitete als Sozialarbeiterin, dann als examinierte Krankenschwester in Hamburg.

Später zog sie mit ihrer Familie nach Münster. Ihr Ehemann Theo hatte dort eine Stelle als Buchhändler gefunden. Während der Zeit des Nationalsozialismus, als sie mit ihren beiden Söhnen Peter und Dieter allein lebte und Theo „auf hoher See“ bei der Kriegsmarine war, setzte die Gestapo sie unter Druck, wollte, dass sie die Namen von Sozialdemokraten in Hannover „herausrückte“: „Haben sie aber nicht gekriegt.“
Nachdem ihr Haus im Krieg zerstört wurde, floh sie mit ihren Kindern nach Freckenhorst. Hier baute ihr Mann nach dem Krieg den SPD-Ortsverein wieder auf, in dem auch sie mithelfen wollte, die neue Demokratie lebendig werden zu lassen. Allerdings wurde ihr – der Genossin – recht schnell deutlich gemacht, dass sie sich „als Ehefrau und Mutter“ zurückzuhalten hatte. „Die hätten mich ja groß angeguckt. Frauen hatten in der Politik nichts zu suchen“ – auch oder vor allem in der SPD nicht. Doch bei dieser Rollenzuweisung beließ sie es nicht. „Immer wieder kamen Elendszüge in Warendorf an, die meisten wurden in den Ställen des Landgestütes untergebracht, und Frau Meyer-Carlstädt half, so gut sie konnte.“2 Neben ihrem sozialen Engagement machte sie sich beruflich selbständig – mit einer sogenannten Automatenwäscherei3 an der Oststraße in Warendorf – und finanzierte ihren Söhnen das Studium.
Und trotz Argwohn blieb sie auch politisch aktiv. Schließlich wurde sie 1964 in den Rat der Stadt Warendorf gewählt – als eine der wenigen Frauen. Zehn Jahre engagierte sie sich in diesem Amt für Jugend, Soziales, Senioren, für Aussiedler/innen und ausländische Menschen. Als Vorsitzende des Ortsvereins AWO Warendorf setzte sie sich zudem besonders für die Kinder- und „Altenerholung“ und die Altenstube in Warendorf ein. Ihr großes sozialpolitisches Engagement ließ sie noch mit über 90 Jahren und trotz ihrer zunehmenden Schwerhörigkeit an allen Ratssitzungen in Warendorf interessiert teilnehmen, denn: „Ich brauch das einfach!“
1989 zeichneten die Warendorfer ihre „alte Dame“ mit dem Ehrenring der Stadt aus; zehn Jahre zuvor hatte Wilma Meyer-Carlstädt bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten.

Sie hatte nie den Traum Künstlerin zu werden, und doch ist sie es geworden.
In ihren gegenständlichen Skulpturen, oft Frauenfiguren, meint man die Künstlerin selbst wiederzuerkennen: zierlich, schmal sind sie, sehr schlank, oft mit überlangen Gliedern, aber in ihren Gesten eindeutig, präsent, ausdrucksstark, auf das Wesentliche reduziert. Es sind Stärke und Leichtigkeit, die sich in ihren Figuren zeigen. Auf Gegenständliches lässt sie sich nicht beschränken. In ihren rein formalen Werken zeigt sie klare, harmonische Formen. Sie setzt sich lange und intensiv mit ihren Arbeiten auseinander, immer wieder betrachtet sie sie selbstkritisch, oft ändert sie noch etwas, sie ist nur mit dem Besten zufrieden.

Mit dem Ergebnis vor Augen vergisst man, dass Bildhauerei harte Arbeit ist, die viel handwerkliches Geschick verlangt. Kennt man die schmale, zierliche Frau, so traut man ihr nicht zu, dass sie die Werkzeuge beherrscht, die zur Holz- und Metallverarbeitung notwendig sind. Doch vor Arbeit hat sich Regina Liekenbrock nie gescheut. Aufgewachsen auf dem elterlichen Hof in Stromberg am Burgplatz, dort, wo sie auch heute noch lebt und arbeitet, wollte sie nach dem Krieg etwas lernen. Zwar waren Lehrstellen für Mädchen knapp, dennoch ergriff sie die Chance einer Holzbildhauerlehre. Alles andere, so sagt sie, entwickelte sich daraus, und so wurde sie mit der Zeit eine anerkannte Künstlerin.
Nach Abschluss ihrer Lehre setzte sie ihre Ausbildung an den Werkkunstschulen in Bielefeld und Münster fort, die sie mit Aufträgen aus der heimischen Möbelindustrie finanzierte. Der Kreiskunstverein ermöglichte ihr, in der Region bekannt zu werden. Sie nutzte die Chance mit überzeugenden Arbeiten wie „Wäscherin“ oder „Im Gespräch“. Regina Liekenbrock hat Kunst für den öffentlichen Raum geschaffen, ihre wichtigsten Auftraggeber sind die Kommunen. Ihre Reliefs und Skulpturen sind auf öffentlichen Plätzen in der Region zu sehen, wie in Münster, Ahlen, Vorhelm, Oelde, Beckum, Albersloh und Stromberg. Es sind Arbeiten in Holz, Metall, Kunststoff und Keramik.

In letzter Zeit beschäftigt sie sich stärker mit religiösen Motiven. „Das muss am Alter liegen“, meint sie, „man sucht und hofft.“ Dabei lächelt sie still. Weil ihr die Arbeit in der Gießerei zu anstrengend wird, arbeitet sie seit einiger Zeit mit ihrem Lieblingsmaterial Eichenholz. Und noch immer beschreitet sie neue Wege: Sie malt und setzt sich aktiv mit der Farbgebung auseinander. So ist sie von der Form zur Farbe gekommen. Arbeiten und kreatives Schaffen sind ihr Leben.

Im April 1956 brachte Maria Meier Gresshoff Sommerfrische aus ihrem Heimatort Lüdenscheid mit nach Oelde-Keitlinghausen. Und Sommerfrischler und Courage brauchte sie, als sie kurz nach ihrer Heirat einige der vielen leerstehenden Zimmer auf dem Landgut ihres Mannes in Fremdenzimmer umwandelte. Der Fremdenverkehr hatte noch keinen Einzug ins Münsterland gehalten. Doch die junge Frau kannte sich aus, schließlich führten zuhause im Sauerland ihre Eltern einen Gasthof mit Fremdenzimmern. Nachdem sie Werbeanzeigen in der Rheinischen Post und der WAZ aufgegeben hatte, kamen schon zu Pfingsten die ersten Gäste auf das idyllisch gelegene Gut am Rande der Beckumer Berge. Während ihr Mann sich bis heute um die Landwirtschaft kümmert, verwandelte die neue Gastgeberin Zimmer für Zimmer – der Urlaub auf dem Bauernhof entstand.

Nach der allgemeinen Flaute im Regionaltourismus der 70er Jahre, als die Massen via Süden flogen, setzte Frau Meier Gresshoff mit ihrer Initiative Komm aufs Land wieder ein Signal, das für das Urlaubs- und Erholungsland NRW warb. Bis heute ist es eine Dachmarke der Landesarbeitsgemeinschaft, die sie 1982 mitbegründete und deren Vorsitzende sie bis 2006 war. Parallel dazu entstand die Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof, deren stellvertretenden Vorsitz sie bis 1997 hatte. 1990 wurde auf dem Hof Meier Gresshoff der europäische Landtourismusverband Eurogites gegründet. Auch hier stand sie in der ersten Reihe, war lange Jahre Präsidentin und Vizepräsidentin. Sie ist eine echte Netzwerkerin. Ihre Netze, von denen alle profitieren, hat sie immer weiter neu geknüpft – auf regionaler, aber auch europäischer Ebene. 1987 wurde sie Mitglied bei ECOVAST – European Council for the village and small town, bis heute arbeitet sie im internationalen Vorstand mit. Für ihren ehrenamtlichen Einsatz bei der Erschließung des Landtourismus in den 90er Jahren im östlichen Europa lud Bundespräsident Herzog Maria Meier Gresshoff zum Neujahrsempfang nach Berlin.

Mehr als 50 Jahre engagiert sie sich unermüdlich für die Förderung des Regionaltourismus. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet: 2004 erhielt sie an Ort und Stelle das Bundesverdienstkreuz – auf ihrem Landkomfort-Hotel Meier Gresshoff. Heute ist sie Seniorchefin des Drei-Sterne-Seminar- und Tagungshotels mit 45 Zimmern, Freibad, Tennisplätzen und Wellnessanlage. Die touristischen Potentiale des Münsterlandes hatte sie früh erkannt, und sie weiß, wie wichtig es ist, dafür das kulturelle Erbe, die alten Höfe, die Dorfstrukturen, die Parklandschaft zu erhalten.

Mit diesem Slogan wurde Elisabeth Kammann 2004 zur Bürgermeisterin von Beelen gewählt – als eine von nur 27 Frauen in NRW neben 373 (!) männlichen Amtsträgern. 1994 wurde die sogenannte Doppelspitze mit Stadtdirektor und ehrenamtlichen Bürgermeistern in NRW abgeschafft und spätestens mit der Kommunalwahl 1999 musste der letzte Stadtdirektor seinen Platz räumen. Bevor „Liz“ sich als sogenannte Parteilose in den Chefsessel setzen durfte, war sie über zehn Jahre ehrenamtliche stellvertretende Bürgermeisterin für die Freie Wählergemeinschaft Beelen gewesen und seit 1999 im Kreistag.

Aus einem „katholischen Arbeitermädchen vom Lande“, wie es der Soziologe Ralf Dahrendorf 1965 als Beispiel für sein Postulat „Bildung ist Bürgerrecht“ konstruierte, und das zum Symbol aller Benachteiligungen avancierte, ist heute eine erfolgreiche Frau geworden. Damals war Liz elf Jahre alt und ging gerade zum Mädchengymnasium in Warendorf. Ihr Vater war Arbeiter, die Mutter half beim Bauern in der Nachbarschaft aus. Die Familie lebte in der kleinen Landgemeinde Beelen, Liz wurde katholisch erzogen wie ihre elf Geschwister. Vier Jahre später gründete jene soziologische „Kunstfigur“ die Beelener Damenfußballmannschaft mit und stand bis 1985 im Tor. Zwischendurch hatte sie ihre juristischen Staatsexamen absolviert und ihre Anwaltskanzlei in Beelen eröffnet. Für die Bildungsreformer wäre sie das Vorzeigemodell einer Bilderbuchkarriere gewesen.

Aber Elisabeth Kammann hat in diesen 40 Jahren bundesrepublikanischer Geschichte auch erfahren, wie schwer es immer noch für Frauen ist, sich auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen zu etablieren, nicht nur in der juristischen Ausbildung. Daher setzt sie auf weibliche Stärken, z.B. auf Sachorientierung, emotionale Intelligenz und – das zeichnete sie vor allem aus – auf Begeisterungsfähigkeit. Eine besondere Kompetenz von Frauen in der Politik sei es, Erste unter Gleichen sein zu können. Auf die Sicherheit, die sie in ihren familiären Netzen erfahren hat, baut sie auch im Beruf. So setzt sie sich z. B. für ein landesweites Netzwerk der Bürgermeisterinnen ein – auch, um das Amt für Frauen attraktiver und erstrebenswerter zu machen.
In ihrem Rathaus herrschen flache Hierarchien. Dennoch ist sie die Chefin – das zeigt u. a. der leuchtendrote Adventskalender im Rathausfoyer, den ihr eine Kindergartengruppe geschenkt hat. Dort guckt sie ganz allein aus dem obersten „Kläppchen“, und der bunte Seidenschal, ihr Markenzeichen, flattert im Wind.

Als die Dichterin Luise Hensel 1872 nach Ahlen kommt, um bei den Schwestern vom Orden des Hl. Franziskus im Vincenz-Hospital eine Bleibe für den Lebensabend zu finden, hat sie sich diese Ruhe sehnlichst gewünscht. Ihr berühmtes Abendlied dichtete sie aber bereits als 18jährige. Zu dieser Zeit verließ die Pfarrerstochter, gebürtig aus Linum in Brandenburg, Berlin, um zum katholischen Glauben zu konvertieren und in Münster im katholischen Zentrum Westfalens eine neue geistige Heimat zu finden. Zuvor war sie in den Berliner Salons, in den sogenannten romantisch bestimmten Freundschaftskreisen, vielen prominenten Persönlichkeiten begegnet.

Ihr Bruder Wilhelm, der später ein bekannter Maler wird und seine Schwester zeitlebens auch finanziell unterstützt, führt sie in die Gesellschaft ein. Unter anderem trifft Luise dort den Dichter Clemens von Brentano, der wie einige andere um sie wirbt. Später werden sie sich am Krankenbett der Katharina Emmerick in Dülmen wiedersehen. In Münster begegnet sie ihrem späteren Mentor, dem blinden Philosophen Christian Bernhard Schlüter aus Warendorf. Zunächst aber wählt sie den Pädagogen und Theologen Bernhard Overberg zu ihrem Seelenführer. Es folgen unruhige Jahre, in denen Luise als Gesellschafterin, Erzieherin, zeitweilig als Schulleiterin, Krankenpflegerin in Düsseldorf, Boppard, Aachen, Köln ihren Weg sucht. Gleichzeitig pflegt sie weiterhin freundschaftliche Kontakte mit führenden Kreisen des Katholizismus.

Schließlich entscheidet sie sich, ihr Leben Gott zu weihen. Sie legt ein Jungfräulichkeitsgelübde ab, doch ihr Plan, ein eigenes Kloster zu gründen oder zumindest in einen Orden einzutreten, erfüllt sich nicht. Stattdessen wirkt sie an mehreren Ordensgründungen mit. Von 1852 bis 1872 wohnt Luise Hensel in Wiedenbrück. Als ihre Wirtschafterin stirbt, verlässt sie Wiedenbrück Richtung Ahlen. Nur gut ein Jahr verbringt sie hier, „wo ich seit dem 4. Oktober bei den guten Barmh. Schwestern zwei helle, luftige Zimmer bewohne, die mir die Aussicht auf Gärten und Felder gewähren“. Die ersehnte Ruhe und den Frieden findet sie aber in Ahlen im unruhigen Krankenhaus nicht, stattdessen will sie, wenn möglich, noch die Übersiedlung nach Paderborn machen, „weil ich dort ruhiger und in guter geistlicher Pflege würde sterben können“. 1873 zieht sie in den Westphalenhof in Paderborn zu ihrer ehemaligen Schülerin, der Ordensgründerin Pauline von Mallinckrodt.
Obgleich Hensel nur ein schmales Werk hinterlassen hat, gehören ihre Gedichte und Lieder zur bedeutendsten deutschen religiösen Dichtung jener Zeit.

1852 verlassen das Ehepaar Levin und Louise Schücking, geb. von Gall, die Großstadt Köln, um in das von Schlaun erbaute Herrenhaus neben der Kirche in Sassenberg zu ziehen. Levin schwärmt: „Was die gnädige Frau angeht, so ist es der Mühe wert, sie als Burgfrau zu sehen. Und in der Tat, ein so völliges Ausspannen aus aller Plackerei, Hetzerei einer größeren Stadt ist etwas unbeschreiblich Angenehmes.“ Wie sehr verkennen die beiden die Realität einer Kleinstadt im Münsterland! Die Bevölkerung der ehemaligen Residenzstadt ist arm, Sassenberg liegt abseits. Das neue Gut mit den sandigen Böden und sauren Wiesen bringt nur geringen Ertrag. Oft ist es nasskalt, Umbauten müssen finanziert, vier kleine Kinder ernährt werden. Den Lebensunterhalt bestreiten die beiden weiter aus ihrer schriftstellerischen Tätigkeit.

Neben diesen Sorgen erfährt die protestantisch erzogene, liberal gesinnte und mit einem Bürgerlichen verheiratete Adelstochter Louise Intoleranz und Zurückweisung der Sassenberger und des Adels ringsum. Sie, die hochgebildete, populäre Romanschriftstellerin, Feuilletonistin und Gesellschaftsdame hat reichlich Grund zu seufzen: „Und so lange man Sorgen hat, ist doch das Leben nichts.“
Der Blick zurück fällt auf glanzvollere Zeiten: in die Salons in ihrer Geburtsstadt Darmstadt und in Wien, auf ihre Freundschaften mit den Dichterinnen Adelheid Stolterfoth und Louise von Plönnies und auf den romantischen „Poetensommer“ am Rhein. Angestiftet durch den Dichter Freiligrath lässt sie sich dort 1842 auf einen Briefwechsel mit dem ihr unbekannten Levin Schücking ein, der auf den Tag genau ein Jahr später in eine Hochzeit mündet. Die ersten gemeinsamen Jahre in Augsburg und Köln sind produktiv und turbulent. Louise veröffentlicht zwei Romane, zahlreiche Novellen, einige Theaterstücke, drei ihrer Lustspiele werden in mehreren deutschen Städten aufgeführt.
Die unglückliche Zeit in Sassenberg währt kurz. Drei Monate nach der Geburt ihres fünften Kindes stirbt sie, im 40sten Jahr, vermutlich an Typhus. Gegen ihren testamentarischen Willen wird sie auf dem Sassenberger Friedhof beigesetzt, wo man heute an der alten Grabstelle neben der Kirche einen nachgearbeiteten Gedenkstein findet. Von dort aus blickt man auf Haus Schücking.

Anders als Levin schien die Literaturgeschichte Louise über lange Zeit fast vergessen zu haben. 1847 schreibt Annette von Droste-Hülshoff ihrer Freundin Elise Rüdiger von der Meersburg über die „Schückings“: „Sie wird sehr schön gefunden und in jedem Betracht bedeutender als Er“.2 Erst Ende des 20. Jahrhunderts erscheinen zwei Publikationen, die sich dann ausführlich mit Louise von Galls Leben und Werk beschäftigen. 3

Direkt gegenüber ihrem Elternhaus in Ostbevern – sozusagen vor der Haustür – lag das neue Beverbad. Hier begann die nasse und glänzende Karriere der Schwimmerin Barbara Götker.
Erst relativ spät, im Alter von acht Jahren, lernte sie dort schwimmen. Fünf Jahre darauf gewann sie bei den Bezirks-Jahrgangsmeisterschaften in Warendorf in der Disziplin 100 m Rücken ihren ersten Titel als Jugendmeisterin. Die Disziplin 50 m Freistil bringt ihr den ersten und den letzten großen Erfolg: Sie gewinnt die Westdeutsche Seniorenmeisterschaft in Langenfeld 1989 und acht Jahre später 1997 im Rahmen der Schwimm-Europameisterschaften der Senioren in Prag die Goldmedaille; gleichzeitig wird sie mit der Staffel der Warendorfer Sportunion (WSU) erste in der Disziplin 4 x 50 m Freistil gemischt.

Die zweite Disziplin, in der sie überaus erfolgreich war, gehört zum Rettungssport, der – laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DRLG) – mehr ist als Schwimmen. Denn je schneller eine Rettungsschwimmerin im Wasser ist, desto besser kann sie in Not geratenen Schwimmern helfen. Trainiert wird dafür zum Beispiel mit Flossen oder mit Rettungsball. Zum Glück musste Barbara Götker ihr Können nie in einer dramatischen Situation unter Beweis stellen. Für sie stand der Sport im Vordergrund. Insgesamt 13 Weltmeistertitel und der erste Platz in zahlreichen nationalen Meisterschaften sind die Erfolgsbilanz ihrer aktiven Zeit als Rettungsschwimmerin der DLRG und als Schwimmerin für den BSV Ostbevern und die WSU.

Währenddessen stellte sie zwei Weltrekorde auf: 100 m Schwimmen und Retten mit Flossen bei der Weltmeisterschaft 1991 in Schweden und in der Disziplin Retten mit Rettungsball bei der Weltmeisterschaft in Lübeck/Travemünde 1990. Es folgte weiterer Glanz: gleich fünfmal Gold mit der deutschen Nationalmannschaft der DLRG bei der Weltmeisterschaft der Rettungsschwimmer in Lübeck/Travemünde in vier Einzeldisziplinen und einer Mannschaftswertung und in Schweden 1991 drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Im selben Jahr holte sie für den BSV Ostbevern bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften in Sindelfingen Gold und Silber, 1992 dann eine Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft der Rettungsschwimmer in Japan, eine silberne 1993 bei der Schwimmeuropameisterschaft der Senioren in Sindelfingen für den BSV Ostbevern und eine silberne 1994 bei der Senioren-Weltmeisterschaft in Kanada für die WSU.

Sporadisch beteiligt sich Barbara Ernst noch an diesen Wettkämpfen. So errang die mittlerweile zweifache Mutter 2007 die deutsche Meisterschaft im Rettungsschwimmen im Einzel (Dreikampf) und mit der Staffel der DLRG Ortsgruppe Gelsenkirchen-Buer.
Für ihre erste sportliche Glanzleistung im Freistil zeichnete sie die Gemeinde Ostbevern 1989 mit einer goldenen Ehrenmedaille aus. Den persönlichen Höhepunkt ihrer Karriere bildete die Verleihung des silbernen Lorbeerblattes – der höchsten deutschen Auszeichnung für sportliche Leistungen – durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble im Namen des Bundespräsidenten im Jahr 2005.

Mehr als 30 Jahre setzte sich Hedwig Diers ehrenamtlich für die Weiterentwicklung und die Zukunft des Landfrauenverbandes ein.
Geboren und aufgewachsen ist Hedwig Tönnissen auf dem elterlichen Hof in Wadersloh. Nach dem Studium arbeitete sie für kurze Zeit an der Landwirtschaftskammer in Münster, später dann als Lehrerin an der Berufsschule für Hauswirtschaft in Elsfleth (an der Weser). 1961 kehrte sie in die Heimat zurück und heiratete den Liesborner Landwirt Paul Diers. 1986 wurde sie zur Kreisvorsitzenden des Landfrauenverbandes Warendorf gewählt. Mit ihr rückten nun immer mehr sozial- und gesellschaftspolitische Themen bei den Veranstaltungen in den Vordergrund. So setzte sie sich u.a. für die Ausbildung der Landfrauen zu Familienpflegehelferinnen ein. Endlose Diskussionen auf Orts- und Kreisebene wurden im Verband zu dem neuen Gesetzentwurf zur eigenständigen sozialen Absicherung der Bäuerinnen geführt. Im Januar 1995 wurde dann die Agrarsozialreform wirksam. Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten pflegte Hedwig Diers sofort besondere Kontakte mit den Landfrauen in Brandenburg, und zwar in den Orten Wagenitz und Luckau. Mit großer ideeller und finanzieller Unterstützung aller Mitglieder gründete sie 1992 den ersten Landfrauenverband im Kreis Nauen.

Neben ihrem Einsatz im Verband machte sie sich als Gründerin des Liesborner Heimatvereins für Brauchtumspflege und für traditionelle Handarbeiten als besondere Volkskunst stark. Die vier Handarbeitsbücher, die sie selbst herausgab, und mehrere Ausstellungen zeigen die Schönheit und Vielfalt alter und neuer Stickereien. Für ihre Verdienste wurde sie 1991 zum Ehrenmitglied des Heimatvereins in Liesborn ernannt. Ihr textiler Nachlass wird im Museum Abteil Liesborn verwahrt.

Auf Vorschlag der Landwirtschaftskammer wurde Hedwig Diers über gerichtliche Verfahren in Landwirtschaftssachen seit 1985 als ehrenamtliche Richterin beim Amtsgericht Beckum und von 1989 bis 1993 beim Landgericht Münster berufen.
In Anerkennung ihres ehrenamtlichen Einsatzes wurde ihr 1994 die Schorlemer Plakette des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes verliehen. Gleichzeitig wurde sie zur Ehrenvorsitzenden des Kreislandfrauenverbandes ernannt.

Vielleicht war es ein schöner Sommertag, jener 6. Juli 1754, als sich Maria Christina Deppen mit ihrer kleinen Tochter Maria Anna und ihrer 16jährigen Stieftochter frühmorgens von Beelen aufmachte. Ihre Jüngste, die vierjährige Maria Anna, hatte Aussatz im Gesicht, und ihre Augen waren so verkrustet, dass sie blind war. Maria Deppen wollte in Telgte vor dem Gnadenbild der segensreichen „Himmelskönigin“ Maria niederknien und um die Gesundung ihrer Tochter bitten. Kein Arzt hatte zuvor der kleinen Maria helfen können. Frau Deppen war nicht die einzige, die auf ein Wunder hoffte. Sie war eine der Pilgerinnen, die die Marienwallfahrt jener Zeit „zum größten und spektakulärsten religiösen (und weltlichen) Massenereignis in der Geschichte des Fürstbistums“ *2 werden ließen, vor allem aber zu einer wirkungsvollen Demonstration erfolgreicher Konfessionalisierung und absolutistischer Macht. Insgesamt waren bei dieser aufwändigen Inszenierung, die vom 3. (Maria Heimsuchung) bis zum 18. Juli 1754 dauerte, 56 Wallfahrtsprozessionen aus allen Regionen des Bistums unterwegs nach Telgte. Äußerer Anlass war das Jubiläum der Grundsteinlegung der Kapelle, die 1654 für das Gnadenbild gebaut worden war.

Schließlich erreichte Maria Deppen, zwischen den vielen Menschen und Zelten an der 22 Fuß hohen Ehrenpyramide auf dem Marktplatz vorbei, die Schlaun im Auftrag des Fürstbischofs Clemens August entworfen hatte, die Kirche, „allwo die Mutter kaum angelanget ware, da eilete sie mit starken Schritten, damit sie nur geschwind genug Mariä der Gnaden-Mutter ihre Noth klagen. Doch die Kirche war so überfüllt, dass sie mit ihren Kindern zur Kapelle ging, um von der weltberühmten Trösterin der Betrübten in ihrem Unglück Hülff zu suchen“. Und wie sie im Gebet versunken war, so berichtet die Legende, öffnete die kleine Maria ihre Augen und konnte wieder sehen. Der Aussatz verschwand. Dass keine Narben zurückblieben, wurde zusätzlich als Beweis für ein Wunder angesehen. Chirurgen, die das Kind kurz vor und nach der Heilung gesehen hatten, bezeugten es, woraufhin am 29. Juli des Jahres eine Dankfeier vor dem geschmückten Bildnis auf dem Hochaltar der Kirche stattfand. Schließlich wurde das Verfahren der Deppenschen Wunderheilung einige Monate später vor einer vom Generalvikar von Fürstenberg in Münster einberufenen Untersuchungskommission noch einmal aufgerollt, um wirklich sicherzugehen, dass es sich hier um ein Wunder handelte. Schließlich konnten alle Bedenken bezüglich der Krankheit, aber auch des frommen Verhaltens der Maria Christina Deppen ausgeräumt und die Heilung der kleine Maria Anna als Wunder anerkannt werden.