Die Beckumerin Marianne Blumenbecker war eine erfolgreiche und gesellschaftlich engagierte Unternehmerin zu einer Zeit, als Frauen in Führungspositionen noch die Ausnahme waren.
Der Vater führte eine Ankerwickelei, in der Elektromotoren und Maschinen – überwiegend für die Zementindustrie – repariert wurden. Der Familienbetrieb prägte ihr Leben.
Marianne erwies sich als herausragende Schülerin. Aber sollte das Mädchen deswegen aufs Gymnasium? Ihre Eltern stimmten diesem Schulwechsel erst auf Drängen der Englischlehrerin zu. Eine höhere Schulbildung entsprach nicht dem Rollenbild der Zeit. Marianne gehörte 1946 zu den besten ihres Abiturjahrgangs. Sie studierte in Münster, München und Köln und schloss das Studium der Betriebswirtschaft mit dem „geprüften Diplom-Kaufmann“ ab.
Parallel zum Studium arbeitete sie intensiv im elterlichen Betrieb mit und organisierte die Verwaltung und das Rechnungswesen. Zugleich wurde sie mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Bernhard Kommanditistin im väterlichen Unternehmen.
Marianne Blumenbecker erwies sich als eine zielstrebige, hartnäckige und begeisterungsfähige Frau. Die vorgezeichnete Frauenrolle der 50er Jahre als Ehefrau und Mutter am heimischen Herd war nicht ihr Ding. 1954 machte sie sich mit einem eigenen Betrieb in Ahlen selbständig – dem Elektrogroßhandel. „M. Blumenbecker KG“, war sie sich doch sicher, dass die meisten hinter der Abkürzung einen männlichen Vornamen vermuteten. Von jenen Kunden, die sie als Kollegen des Vaters kennengelernt hatte, nahm sie an, dass diese „bei so einem kleinen Mädchen, das sowieso bald Pleite macht“ nicht einkaufen würden.
Bereits 1960 hatte das Unternehmen acht Mitarbeitende. Doch Marianne sah das Potenzial der Elektrotechnik und erweiterte 1962 das Geschäft um ein Ingenieurbüro sowie eine Fertigung für Schaltanlagen. 1966 fusionierte die M. Blumenbecker KG mit dem elterlichen Betrieb. Marianne Blumenbecker wurde Hauptgesellschafterin der Blumenbecker KG. Sie und ihr Bruder führten die Firma bis zu Mariannes Rückzug fast 30 Jahre erfolgreich gemeinsam mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Ihr Anliegen war es, wirtschaftliche Interessen in die Politik einzubringen. Die Initiative zum Aufbau einer CDU-Mittelstandsvereinigung 1969 in Beckum war die logische Konsequenz dieser Grundhaltung.
Marianne Blumenbecker war eine weltoffene, kontaktfreudige Frau, sie reiste viel, ließ sich inspirieren. Sie war kunstinteressiert und hat erheblich dazu beigetragen, dass in Beckum ein modernes Stadtmuseum entstand.
1987 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Die Entscheidung zur Gründung der Marianne Blumenbecker Stiftung anlässlich ihres 70. Geburtstag unterstreicht ihr großes gesellschaftliches Engagement.
Marianne Blumenbecker war es wichtig, Bildung und Wissenschaft, Kultur, ein Projekt für Kinder und Jugendliche des Vereins Mütterzentrum Beckum e.V., sowie die Beratungsstelle des örtlichen Vereins Frauen helfen Frauen e.V. durch ihre Stiftung zu fördern.
Christine Terfloth wuchs in wohlhabenden Verhältnissen in Telgte auf. Durch ihre Ehe seit 1790 mit Clemens August Anton Terfloth (1758 – 1833) trat sie in das Mühlengeschäft ein, das ihr Schwiegervater für ihren Ehemann als Pächter vom Fürstbischof in Münster übernommen hatte.
Aus der Ehe gingen zwölf Kinder – zwei Söhne und zehn Töchter – hervor; die Söhne erreichten das Erwachsenenalter nicht.
Nachdem die fürstbischöflichen Liegenschaften ab 1815 in das Eigentum Preußens übergegangen waren, stand Clemens Terfloth in Kaufverhandlungen mit der Provinzialregierung in Münster. Er verstarb 1832, und seine Witwe Christine schloss den Kauf 1838 erfolgreich ab. Von nun an führte sie den Mühlenhof mit den drei Emsmühlen (Große Sägemühle, Ölmühle und Kleine Mühle) sowie weitere Besitztümer ihrer Familie Gewinn bringend weiter.
In ihren drei Testamentsfassungen von 1838 bis 1846 verfügte sie, dass das Mühlengeschäft an ihre 4 unverheirateten Töchter Angela, Lisette, Dina und Catharina fallen solle, damit diese ein finanziell unabhängiges Leben führen konnten. In weiteren Bestimmungen sicherte sie die weitere Erbfolge vorrangig für unverheiratete Familienmitglieder. Diese Regelungen entsprachen nicht den allgemein gültigen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts, in dem üblicherweise männliche Familienmitglieder, ob direkte oder eingeheiratete, Geschäfte führten und Eigentum erbten.
Nach dem Tod der Mutter blieb das Mühlenunternehmen in den Händen der vier Töchter. Angela überlebte ihre Schwestern um 20 Jahre und blieb bis zu ihrem Tod Alleineigentümerin. In den Folgejahren modernisierte sie die Mühlen, errichtete eine 4. Mühle und baute das Geschäft erfolgreich aus.
In Telgte firmierte sie als „Tante Engel“, eine Wohltäterin innerhalb der großen Familie und in der Kirchengemeinde. Unter anderen wurde Pater Christoph Bernsmeyer regelmäßig mit Spenden für sein Waisenhaus bedacht.
Angela Terfloth setzte bewusst die Strategie der weiblichen Erbfolge ihrer Mutter fort. Nach ihrem Tod im Alter von 90 Jahren erbten die unverheirateten Nichten Fanny und Laura und nach ihnen wiederum eine Nichte, Antonia Becker, das Mühlengeschäft. Mit dem Konkurs 1907 endete die 70-jährige Ära der weiblichen Müllerinnen in Telgte.
Noch heute stellen die Mühlengebäude für das Stadtbild von Telgte charakteristische Orte dar. Die Große Mühle, das heutige Bernsmeyerhaus, ist im Besitz der Kirchengemeinde Sankt Marien. An diesem Gebäude wird mit einer Gedenktafel an Pater Christoph Bernsmeyer, dem Begründer des Ordens der Mauritzer Franziskanerinnen, und an Johann Conrad Schlaun erinnert. Die Kleine Mühle am Emstor ist mittlerweile im städtischen Besitz und zentraler Jugendtreff.
Die Terfloth-Frauen sind erst seit 2025 als sogenannter FrauenOrt am Bernsmeyerhaus sichtbar.
Frauenneujahrsempfang | 15:00 Uhr | Alte Brennerei Ennigerloh
Auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten findet unter dem Titel „Starke Frauen – starke Vorbilder“ der diesjährige Frauenneujahrsempfang des Kreisfrauenforums statt. Kulturelle e.V. ist dem Vortrag „Christine und Angela, Marianne, Herma – Frauen die Geschichte schreiben – Beispiele aus dem Kreis Warendorf“ vertreten.
Eröffnet wird auch die Ausstellung „Starke Frauen – starker Kreis“, die in Kooperation mit unserem Verein entstanden ist.
Anmeldung bis zum 20.02.26 bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Ennigerloh gleichstellung@ennigerloh.de
WortOrte:Soiree | 18:30 Uhr | Kunstmuseum Ahlen
Mit einer Soiree möchten wir mal wieder die WortOrte in Ahlen in Erinnerung rufen. An diesem literarisch-musikalischen Abend kommen die acht Ahlener Dichterinnen und Dichter zu Wort. Im Kunstmuseum und auf der lauschigen Terrasse des Antiquariats Wiesehöfer sollen Julius Abeler, Herbert Berger, Katharina Busch, Elisabeth Gallenkemper, Luise Hensel, Ferdinand Krüger und die Wibbelt-Geschwister Augustin und Elisabeth in Portrait und Rezitation lebendig werden.
www.wortorte.de
Wir laden herzlich ein!
Hildegard Offele-Aden und Christa Paschert-Engelke
Neue FrauenOrte in Ahlen und Telgte
Mit der Kampagne FrauenOrte NRW macht der Frauenrat NRW nun auf 52 Orte aufmerksam, an denen besondere Frauenpersönlichkeiten gewirkt haben. www.frauenorte-nrw.de
Bereits vor mehr als 20 Jahren haben wir von Kulturelle e.V. bereits solche Orte im Kreis Warendorf identifiziert und Frauenportraits veröffentlicht.
Auch mit unseren Bewerbungen – unterstützt von den jeweiligen kommunalen Gleichstellungsbeauftragte – beim Frauenrat NRW waren wir im Mai 2025 erfolgreich:
Am 13.05.2025 wurde in Ahlen an der Weststraße der FrauenOrt HERMA Blum eingeweiht mit einer Tafel am Lindenhof. Dort hatte die Textilkünstlerin HERMA Blum ihre Werkstatt im Hinterhof.
Am 16.05.2025 wurde in Telgte der FrauenOrt CHRISTINE und ANGELA Terfloth direkt an der Ems am heutigen Bernsmeyer-Haus eröffnet. Die Mühlenbesitzerin Christine Terfloth startete mit ihrem Testament eine Müllerinnen-Dynastie, in der auch in der Folge ihre Tochter und weitere Frauen der Familie die Erbfolge in weiblicher Hand sicherten.
Bereits der erste Teil von „Die Unbeugsamen“ – ein Film über Politikerinnen, die sich mühsam einen Platz in der Bonner Republik eroberten – ist beeindruckend. Nun hat der Regisseur Torsten Körner einen Blick über die Mauer in den anderen Teil der deutschen Geschichte geworfen und einen großartigen Film (2024) über den Alltag der DDR-Frauen gedreht. 15 Frauen erzählen, wie es tatsächlich um die staatlich verordnete Gleichberechtigung bestellt war im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat. Auf unterhaltsame und spannende Art – mal witzig, mal traurig, mal drastisch – werden die Lebensleistungen von ostdeutschen Frauen dokumentiert. „Aus all den anschaulichen Erinnerungen der Frauen entsteht ein komplexes Bild, das sich unbedingt zu sehen lohnt.“ (Filmkritikerin des WDR Andrea Burtz)
Beginn: 19.30 Uhr | Eintritt: 7 €
Kartenreservierung www.cinemahlen.de
In den Dokumentarfilm zieht die amerikanische Musikerin Joan Baez Bilanz. Sie gilt als lebende Legende und Ikone der politischen Protestbewegung. Berühmt wurde sie als, sie in den 60er Jahren gegen den Vietnam-Krieg und an der Seite von Martin Luther King gegen die Rassentrennung auf die Straße ging. In Woodstock prangerte die schwangere Sängerin die Missstände der Welt an. In den 70er Jahren war ihr Album „Diamonds and Rust“, in dem sie ihre tragische Liebesbeziehung zu Bob Dylan thematisiert, 46 Wochen in den Charts. Die Queen of Folk wird zum internationalen Star und zur Umweltaktivistin. Sie wird bis heute vielfach für ihre Musik und ihr Engagement ausgezeichnet. Der Film zeigt ihre Erfolge, aber auch ihre Nöte und ihre Verzweiflung, ihre inneren Dämonen. Er kommt ihr, der 77-Jährigen – so nahe, wie es keinem Biopic gelungen wäre.
Beginn: 19.30 Uhr | Eintritt: 7 €
Kartenreservierung www.cinemahlen.de
In Italien war dieser Film sogar erfolgreicher als Barbie – es ist ein Drama in Schwarz-Weiß, das in Rom Mitte der 1940er Jahre spielt. Schwarz-Weiß scheint auch die Welt von Delia zu sein, die Frau von Ivano und die Mutter dreier halbwüchsiger Kinder, die sich täglich abmüht mit den ärmlichen Verhältnissen und immer das Beste für ihre Familie will – ohne rechte Anerkennung. Männliche Gewalt an Frauen gehört in der italienischen Nachkriegszeit offensichtlich zum Alltag vieler Familien. Es ist eine bittersüße Tragikomödie im Stil des Neorealismus mit einem recht überraschenden Schluss. Paola Cortellesi, die Regisseurin, die gleichzeitig auch die Hauptrolle spielt, zeigt uns ein nicht untypisches Frauenschicksal – manche sagen sogar, das gelte auch noch bis heute. Es sind die Versager-Machos, über die man bei aller patriarchaler Herrschaft oft auch mindestens schmunzeln, wenn nicht sogar herzhaft lachen muss. Ein kunstvoll gemachter, gleichzeitig mitreißender Film!
Beginn: 19.30 Uhr | Eintritt: 7 €
Kartenreservierung www.cinemahlen.de
Auch diesmal zeigen wir ein Gerichtsdrama, allerdings mit einem ganz anderen Zuschnitt. Sandra Hüller verkörpert in „Anatomie eines Falls“ eine Romanautorin, die unter Verdacht gerät, ihren Ehemann ermordet zu haben. Sandra, ihr französischen Ehemann Samuel (Samuel Theis) und ihr elfjährigen sehbehinderten Sohn Daniel leben zurückgezogen in einem kleinen Ort in den französischen Alpen. Eines Tages findet der Sohn den toten Vater, der offensichtlich aus dem zweiten Stock gestürzt ist. Sandra gerät unter Mordverdacht. Die Regisseurin Justine Triet untersucht auch in diesem Film „die Lebenswelten eines liberalen Bürgertums auf ihr geschlechterpolitischen Machtgefälle“ (DIE ZEIT). Sandra Hüller spielt herausragend, der Film war für 5 Oscars nominiert und holte 2 Golden Globe.
Beginn: 19.00 Uhr | Eintritt: 8 € (wegen Überlänge)
Kartenreservierung www.cinemahlen.de
Im Mittelpunkt des französischen Films „Saint Omer“ (2022) von Alice Diop steht die junge Doktorandin Laurence Coly aus dem Senegal, die ihr Baby ins Meer legt, das Kind ertrinkt, Coly wird vor Gericht gestellt. Eine andere Frau aus dem Senegal, die Pariser Professorin Rama, verfolgt den Prozess in der nordfranzösischen Stadt Saint Omer, in dem alles immer uneindeutiger wird.
Die Regisseurin, die für ihre Dokumentarfilme bekannt ist, nimmt auch hier ein tatsächliches Geschehen unter die Lupe und verwandelt es in ein spannendes Filmdrama um Wahrheit, Mutterschaft und Ausgrenzung und die Brüche weiblicher Biographien.
Beginn: 19.30 Uhr | Eintritt: 6 €
Kartenreservierung www.cinemahlen.de